Römische Funde in Merzig

Im Bereich des 1934 erbauten Naturbades »Heilborn« stand in römischer Zeit das repräsentative Wohngebäude eines römischen Gutshofes.

Bereits im 1. Jhdt. n. Chr. am Südhang des Kreuzberges errichtet, bestand es mindestens 3 Jahrhunderte lang. In die älteste Zeit gehören frührömische Keramik sowie eine scheibenförmige Gewandspange aus Bronze. Solche Fibeln waren in den Jahrzehnten um 100 n. Chr. modern.

Ein ganz erhaltener schwarzer Trinkbecher aus Keramik ist dem 3. Jhdt. n. Chr. zuzuweisen. Dass die Villa noch im 4. Jhdt. n. Chr. bestand, bezeugen Münzfunde. Wann und wie sie unterging und ob sie bereits von den Germaneneinfällen des 3. Jhdt. betroffen war, bleibt offen.

      

Aufschlussreiche Grabungsfunde

Der Grundriss ist nur in Ausschnitten bekannt. Immer wieder sind seit dem 19. Jhdt. römische Mauerreste beobachtet, aber kaum jemals gründlich freigelegt und untersucht worden. Die meisten Kenntnisse wurden beim Bau des Schwimmbades »Heilborn« 1934, bzw. bei seinem Umbau zum Naturbad 2007 gewonnen.

2007 konnte im Zusammenwirken zwischen Stadt Merzig und Landesdenkmalamt Saarbrücken vor allem ein beträchtlicher Teil des aufwendigen Badetraktes (neben dem Filterbecken auf der oberen Liegewiese) untersucht werden.

Die Ausdehnung des Hauptgebäudes lässt sich nur grob angeben. Es bedeckte eine Fläche von etwa 180 x 35 m, aber auch außerhalb dieses Bereiches sind Funde und Mauerreste in einem Areal von 500 x 200 m beobachtet worden.

Sie gehören wahrscheinlich zu Nebengebäuden wie Schuppen, Scheunen, Werkstätten und Wohnhäuser des Personals. Wegen der Lage an zwei Bächen ist auch an eine Wassermühle zu denken. 

Im Bereich des Pumpenhauses (kleiner Rundbau mit Schieferdach dicht westlich des Naturbadgeländes) fand sich ein Kalkofen, in dem nach dem Untergang der römischen Villa ihre Überreste zu Kalk gebrannt worden sind.

Im Osten reicht das römische Mauerwerk bis in den Rotensteiner Weg. Am nördlichen Steilhang dürfte das Gebäude kaum über das Schwimmbadareal ragen, im Süden liegt die Grenze römischer Architekturfunde an der Schillerstraße. Der Komplex erstreckte sich also vom Hang des Kreuzberges über den Westteil des Geländes der Firma Villeroy & Boch bis zur »Klosterkuppe«.

Dieses große Areal war natürlich nicht flächig bebaut, insbesondere nicht in dem durch Hochwasser gefährdeten Bereich. Der Seffersbach dürfte den repräsentativen Wohnbereich der Villa von dem großen, südlich anschließenden Wirtschaftsteil getrennt haben, der wohl nur locker mit Nebengebäuden besetzt und wahrscheinlich mit einem Zaun oder einer Mauer umhegt war.

           

Das Haupthaus der Villa am »Heilborn«

1934 wurde beim Bau des Schwimmbades auf etwa 30 m Länge ein Fundament aus großen Sandsteinquadern freigelegt. Römische Mauerreste erstrecken sich insgesamt über mindestens 170 m Länge am Hang des Kreuzberges, etwa vom Multifunktionshaus im Westen bis in den Rotensteiner Weg im Osten.

Über den Sandsteinquadern erhob sich in der Antike die repräsentative, mit Säulen geschmückte Fassade des Hauptgebäudes der römischen Villa. Die kleine Ausgrabung konnte nicht nur den Verlauf der Fassade klären, sondern auch nachweisen, dass das Gebäude mindestens drei aufeinander folgende Bauphasen aufweist. 

    

Quelle: merzig.de