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Mons - Europäische Kulturhauptstadt 2015


Das belgische Mons (niederländisch und deutsch: Bergen) liegt 65 Kilometer südwestlich von Brüssel, nahe der französischen Grenze.

Die Hauptstadt der Provinz Hennegau ist ein geschichtsträchtiger Ort.

Im 7. Jahrhundert entstand Mons aus der Gründung eines Klosters durch die heilige Waltrudis am Fuße einer Festungsruine.

»Streichholzwald« des belgischen Künstlers Arne Quinze. Der überdimensionale Streichholzwald »The Passenger« ist die größte Kunstinstallation der Kulturhauptstadt 2015 in Mons.

Später verdankte die Stadt ihren Wohlstand vor allem der Tuchindustrie und schließlich dem Kohlebergbau.

2015 war Mons Europäische Kulturhauptstadt. Die wallonische Stadt ist mehrheitlich frankophon. Seit dem 31. März 1967 ist Mons Sitz des Militärischen Hauptquartiers der NATO, SHAPE. (Supreme Headquarters Allied Powers Europe, abgekürzt SHAPE; deutsch Oberstes Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa)   

Name

Der Name der Stadt bedeutet lateinisch Berg (franz. Mont), was auf die geografische Gegebenheit in der Stadt schließen lässt. Die Stadt entstand auf einem der fünf Hügel in der Senke des Flusses Henne (frz. Haine).  

Geschichte

Stadtansicht Mons, Rue de Nimy

Archäologische Ausgrabungen in den nahegelegenen »Feuersteinbrüchen von Spiennes, die auf der Liste des »Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit« der UNESCO stehen, haben ergeben, dass die Gegend von Mons schon während des Neolithikums und in der Eisenzeit bewohnt wurde.

Mons verdankt seinen Ursprung einem Kastell, welches von Caesar im Krieg gegen die Gallier hier angelegt wurde (an der Stelle des jetzigen Belfrieds). In römischer Zeit war Mons ein Militärlager an der Straße von Bavay nach Utrecht.

Wie viele andere europäischen Städte entstand das heutige Mons um ein Kloster herum, das im frühen Mittelalter gegründet worden war, und wurde zu einem ansehnlichen Ort.

Da eine solche Siedlung vor Angriffen kaum geschützt war, ließ der Graf von Hennegau eine Burg auf der Spitze eines Hügels erbauen.

Im 12. Jahrhundert wurde ein 1 km langer Verteidigungswall errichtet. Die Stadt wuchs und der Ort begann sich den Hügel hinunter auszubreiten, und eine neue größere Stadtmauer wurde erbaut.

Im »niederländischen Befreiungskrieg« wurde die Stadt 1572 vom Prinzen Ludwig von Nassau eingenommen, aber noch in demselben Jahr (6. September 1572) von den Spaniern zurückerobert und sowohl gegen Coligny als auch gegen den Prinzen von Oranien behauptet.

Justizpalast

Nach einer Blockade durch den französischen Marschall Humières 1677 wurde die Stadt am 8. April 1691 nach einer Belagerung, geleitet von Vauban, an die Franzosen übergeben. Im »Frieden von Rijswijk« wurde Mons 1697 an Spanien zurückgegeben.

Im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) geriet Mons abermals in die Hände der Franzosen. Es ergab sich aber nach der »Schlacht von Malplaquet« und einer mehrwöchigen Belagerung im Oktober 1709 den Alliierten (Großbritannien, Niederlande, Preußen u.a.) und wurde nach dem Frieden von Utrecht 1713 als einer der Barriereplätze von den Niederländern besetzt.

Nochmals wurde die Stadt am 10. Juli 1746 von den Franzosen unter Conti eingenommen, doch kam sie bald darauf wieder an Österreich zurück. 1792 wurde sie nach der Schlacht bei dem heutigen Monser Stadtteil Jemappes von Truppen der Republik Frankreich besetzt.

Die Besatzer schleiften die Festungswerke; 1797 kam das Gebiet des heutigen Belgien an Frankreich (das inzwischen von Napoleon regiert wurde). 1814 besetzten Truppen der antinapoleonischen Koalition Belgien. 1818 wurden die Festungswerke wiederhergestellt und verstärkt; später wurden sie wieder abgetragen.

Während der unterschiedlichen fremden Besetzungen (Burgund, Spanien, Österreich, Frankreich, Niederlande) wurden die militärischen Anlagen mehrfach verstärkt und modernisiert. Mit der Zeit verschob sich die Stadtgrenze immer mehr, neue Vororte entstanden und 18 benachbarte Dörfer wurden in das heutige Stadtgebiet aufgenommen.

Blumenmarkt

Im Jahr 1887 zählte Bergen 25.421 Einwohner. Sie arbeiteten in Zucker-, Seifen-, Tabaks-, Spitzen-, Fayence- und Tonpfeifenfabriken, Woll- und Baumwollspinnereien, Brauereien, Eisengießereien und besonders im Steinkohlenbergbau.

Mons liegt mitten im Nordfranzösischen Kohlerevier. Dieses damals bedeutende Kohlevorkommen ist heute weitgehend erschöpft.

Am 23. und 24. August 1914 fand bei Mons die erste Schlacht der britischen Armee im Ersten Weltkrieg statt. Die Stadt wurde vom Deutschen Heer besetzt und 1918 von kanadischen Truppen übernommen.

Im Mai 1940 wurde die Stadt im Rahmen des Westfeldzuges von vorrückenden Truppen der Wehrmacht besetzt. Die Wehrmacht besetzte Nordfrankreich bis zum Herbst 1944; dann zwangen vorrückende west-alliierte Truppen sie zum Rückzug.

Waltrudiskirche

Am 2. September 1944 kam es bei Mons zu einer Kesselschlacht; über 25.000 deutsche Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Am 3. September wurde Mons von Soldaten der 3rd Armored Division befreit.


Sehenswürdigkeiten

  • Waltrudiskirch Collégiale Sainte-Waudru: Die Waltrudiskirche wurde 1460–1589 im Stil der Gotik erbaut. Das Bauwerk enthält Arbeiten des Bildhauers Jacques Du Brœucq und den »Goldenen Wagen« (Car d'Or, 1781), der in der alljährlichen Prozession Procession de la Trinité die Reliquien der heiligen Waltraud von Mons trägt und im Rahmen der Ducasse de Mons mit einem Pferdegespann durch Bergen gezogen wird.
  • Belfried (Le Beffroi): Der Belfried wurde 1661–1672 im Stil des Barock erbaut und ist das   der Stadt. Er wurde 2000 zusammen mit 55 anderen Belfrieden in Belgien und Frankreich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
  • Rathaus: das spätgotisches Rathaus wurde 1440–1443 erbaut
  • Museum der schönen Künste (Musée des Beaux-Arts)
  • Musée François Duesberg: Museum für Pendeluhren
  • Musée de la vie montoise: Volkskundemuseum
  • Musée du Centenaire: Keramiken, Münzen und eine archäologische Sammlung
  • Naturhistorisches Museum:
  • Vincent van Gogh-Haus: Das Vincent van Gogh-Haus befindet sich im nahegelegenen, 1971 eingemeindeten Dorf Cuesmes

Van-Gogh-Museum in Cuesmes

  • Europas größte und älteste Feuersteinminen in Spiennes, einem Vorort von Mons. UNESCO-Welterbe seit dem Jahr 2000.
  • Hippodrome de Wallonie: Pferderennbahn, auf der sowohl Galopp- als auch Trabrennen stattfinden. 


Fotos 3 – 7 von oben: © by jean-Pol Grandmont