Geschichte von St. Vith

Wann genau der Ort St. Vith besiedelt wurde liegt im Dunkeln. Ob am Ort bereits ein keltischer Tempel gestanden hat oder ob der Ort bereits zu Römerzeit oder von den Franken besiedelt war, ist unklar. Tatsache ist, dass keine vor- oder frühgeschichtliche Funde gemacht wurden. Man geht davon aus, dass der Raum St. Vith kein Siedlungsgebiet in vorrömischer- oder römischer Zeit war. Allenfalls war er Durchzugsgebiet. Man geht davon aus, dass er irgendwann zwischen 850 und 1150 besiedelt wurde.

     

Namensgebung

Zu ihrem Namen kam die Siedlung durch den Märtyrer Vitus: Die um das Jahr 648 vom aquitanischen Mönch Remaclus aufgrund einer Schenkung des Merowingerkönigs Sigebert III. gegründete benachbarte Abtei Stablo (Stavelot) wurde im 12. Jahrhundert durch Abt Wibald (1098 - 1158) geleitet. Wibald war auch Abt der Abtei Corvey an der Weser.

In die Abtei Stablo waren im Jahre 836 Reliquien des Märtyrers Vitus von St. Denis (Frankreich) überführt worden. Es ist nun wahrscheinlich, dass Reliquien des Heiligen, der im Mittelalter eine starke Verehrung erfuhr, durch Abt Wibald über Malmedy nach St. Vith gekommen sind und dem Ort den Namen (ad sanctum vitum) gegeben haben. Daraus hat sich der heutige Name »St. Vith« entwickelt.

      

Erste Erwähnung

Die Siedlung hat sich dann vermutlich ab 900 n. Chr. an der Kreuzung der in nord-südlicher Richtung verlaufenden alten Römerstraße Reims-Köln und der lokalen, in west-östlicher Richtung verlaufenden Verbindung der beiden Abteistädte Malmedy und Prüm als Markt- und Pilgerort entwickelt.

In Urkunden des 12. Jahrhunderts (1130/31) werden sowohl die Vituskirche als Kirchenstandort, als auch die Zollstätte und der Markt erwähnt. 

Der Ort St. Vith taucht hier erstmals aus dem Dunkel der Geschichte auf und präsentiert sich schon als recht bedeutende Ortschaft.

Die günstige Lage am Kreuzungspunkt der Straßen hat dann rasch für eine wachsende Bedeutung des Ortes gesorgt, denn ab 1151 war hier eine Zollstätte der Limburger Herzöge eingerichtet und gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Straße, die von Köln nach Südwesten führte, als »via de sancto Vito« bezeichnet.

Der Limburger Herzog Walram der Alte heiratete 1214 in zweiter Ehe Ermesinde von Luxemburg. Sein Sohn aus erster Ehe, Walram I. (auch der Jüngere oder der Lange genannt), heiratete 1225 die Tochter Ermesindes, Elisabeth von Bar.

Nach Ermesindes Tod (1247) erhielt Elisabeths Halbbruder Heinrich der Blonde von Luxemburg die erblichen Zollrechte in St.Vith. Der Einfluss der Luxemburger im St. Vither Land wuchs weiter, denn 1265 erwarb Heinrich der Blonde Anteile des Hofes Neundorf, die bislang Ritter Kuno von Schönberg gehörten.

Die Nachfolger des Kuno von Schönberg besaßen noch andere Anteile im St. Vither Land und Heinrich der Blonde wird es nicht versäumt haben, auch diese zur Vergrößerung seines Besitzes zu erwerben, denn aus einer Urkunde des Jahres 1271 erfahren wir erstmals, dass St. Vith als luxemburgisches Lehen verkauft wird, und zwar an Walram den Roten aus dem Hause Valkenburg-Montjoie.

Die luxemburgische Lehnshoheit über St.Vith und Umgebung ist auch auf die nachfolgenden Herren (die Grafen von Sponheim und danach die Grafen von Nassau) übergegangen und hat über 500 Jahre gedauert (bis zur Französischen Revolution).

            

Entwicklung als Marktort

Im 13. Jahrhundert hatte die Bedeutung St. Viths als Marktort weiter zugenommen. Aus dieser Zeit sind Kaufverträge überliefert, in denen von St. Vither Getreidemaßen (Veiter Maß) die Rede ist, die sogar noch bis zur Franzosenzeit Gültigkeit hatten.

Johann von Valkenburg-Montjoie, luxemburgischer Lehnsmann, hat als Herr von St. Vith Stadtgeschichte geschrieben: Unter seiner Herrschaft wurde der Marktort befestigt, d.h. der Ausbau der Burg sowie der Bau der Stadtmauer mit Wehrtürmen haben um das Jahr 1350 stattgefunden.

In der Zeit ist St. Vith wohl auch zur Stadt erhoben worden und durfte seitdem das Wappen (Limburgisch-Valkenburgischer Löwe) führen, das heute noch auf die ersten bekannten Herren St. Viths hindeutet. Johann von Valkenburg, übrigens der letzte Nachkomme dieses Hauses, hat auch Münzen in St. Vith prägen lassen: die »moneta Sancti Viti«.

Nach dem Tod Johanns (1352) entbrannte der valkenburgische Erbstreit zwischen seinen Schwestern und Gläubigern der Valkenburger.

Erst eine Entscheidung des Rittergerichts des Herzogtums Luxemburg aus dem Jahre 1380 sprach Simon von Sponheim-Vianden den Besitz der Herrschaft St. Vith und Bütgenbach zu und erklärte Herzog Wenzel von Luxemburg zum Lehnsherren über die Gebiete.

Simon von Sponheim war mit der Grafentochter Maria von Vianden verheiratet. Das St. Vither Gebiet bildete nun eine Einheit, die zur Grafschaft Vianden gehörte und in dieser Form über 400 Jahre Bestand hatte.

Nach dem Tod der letzten Sponheimerin im Jahre 1417 kam die Grafschaft Vianden mit der Herrschaft St. Vith in den Besitz der Grafen von Nassau (die später auch Prinzen von Oranien-Nassau genannt wurden).

Die Herren von Nassau bzw. von Oranien-Nassau, die nur zeitweise auf der Burg Vianden residierten, ließen die Herrschaft St. Vith durch Amtmänner (z.B. von Rolshausen, von Münchhausen, Kröff, Baring, de la Fontaine, von Dhaeme) in ihrem Namen verwalten).

Amtmänner oder Pfandherren residierten in der St. Vither Burg. Als oberste Landesherren standen die Grafen und später die Herzöge von Luxemburg unserem Gebiet jedoch viel näher.

Seitdem St. Vith mit Vianden verbunden war, hatte die Bedeutung der Stadt unter den Grafen von Sponheim und den Grafen von Nassau immer mehr zugenommen; sie bildete wirtschaftlich (Marktort), administrativ (Hochgericht, war Sitz der Meier und Amtsmänner) und militärisch (beherbergte eine Garnison) ein Zentrum, als strategisch wichtiger Punkt an der Nordgrenze des Herzogtums.

Der wirtschaftliche Aufschwung wurde im Laufe der Jahrhunderte jedoch immer wieder durch Belagerungen, kriegerische Zerstörungen, Brände oder Seuchen unterbrochen.

So hat die Pestepidemie, die in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa grassierte, auch in St. Vith einen großen Teil der Einwohner hinweggerafft. In diese Zeit (um 1350) fällt vermutlich der Bau eines ersten Hospitals. Stadtbrände verwüsteten die Stadt mehrmals im 16. Jahrhundert, so nachweislich im Jahr 1517 und vor 1541.

                

Verwüstungen und Zerstörungen im 16. und 17. Jahrhundert

Zerstörungen durch Feuer waren aber auch oft die Folge von Kriegseinwirkungen, wie sie St. Vith bis in die jüngste Vergangenheit hinein hat erleiden müssen.

Herzog Wilhelm von Jülich, ein Verbündeter des französischen Königs, brannte die Stadt im Jahre 1543 nieder.

Als Teil der Spanischen Niederlanden ist das Luxemburger Land, auch das St. Vither Gebiet, in den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts in mehrfach von plündernden, brandschatzenden und mordenden Horden heimgesucht worden.

Die St. Vither Stadtchronik berichtet in dem Zusammenhang von einem Überfall Philipps von Nassau, der am Abend des 17. Januars 1593 mit 1.200 Reitern und 500 Mann Fußvolk durch ein offengelassenes Stadttor in die Stadt eindringen wollte.

Durch das beherzte Eingreifen eines Geistlichen namens Philipp Viltz konnte dieser Versuch vereitelt werden.

Neun Jahre später (1602) tauchte die holländische Streitmacht unter Ludwig von Nassau erneut vor den Toren St. Viths auf und drohte ebenfalls mit der Zerstörung, falls nicht ein Lösegeld gezahlt werde.

Die St. Vither zahlten die Summe und verhinderten dadurch, dass ihre Stadt nach der Zerstörung zudem noch ein Raub der Flammen wurde.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde St. Vith im Jahre 1632 von holländischen Truppen überfallen und geplündert. Die in der Folge des Krieges ausgebrochene pestartige Seuche hat in St. Vith, wie in den umliegenden Orten, zudem zahlreichen Menschen das Leben gekostet.

Der »Westfälische Friede« (1648), der den »Dreißigjährigen Krieg« beendete, brachte aber noch keinen Frieden. Mehrfach fiel der französische König Ludwig XIV. in die spanischen Niederlande. St. Vith wurde 1675 durch französische Truppen geplündert, Geldsummen wurden erpresst und vermögende Bürger wurden als Geiseln genommen.

Im Jahre 1684 gelang es Frankreich schließlich, seine Herrschaft im Herzogtum Luxemburg zu etablieren, nachdem die Garnison der Festung Luxemburg kapituliert hatte.

Das Jahr 1689 ist, wie das Jahr 1944, ein Jahr der Zerstörung St. Viths gewesen. 

Im Krieg gegen das Deutsche Reich und die Niederlande ordnete Ludwig XIV. an, alle Festungen an den Grenzen zum Feindesland einzureißen. Seiner Politik der »verbrannten Erde« fiel dann auch die Festung St. Vith zu Opfer, die im März geschleift wurde.

Das Zerstörungswerk wurde am 5. September fortgesetzt, als die Stadt von »französischen Mordbrennern« in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Aufbauarbeiten dürften noch im Gange oder aber gerade abgeschlossen gewesen sein, als eine neue Katastrophe die Stadt sechs Jahre später heimsuchte: 

Ein verheerender Stadtbrand verwüstete die neu errichteten Häuser und stürzte die Einwohner erneut in eine Notlage.

Im Verlauf des »Spanischen Erbfolgekrieges« (1702) wurde St. Vith von deutschen Husaren überfallen und geplündert. Im Frieden von Utrecht (1713) wurde die spanische Erbfolge entschieden und das Herzogtum Luxemburg, das wieder von französischen Soldaten besetzt war, kam zu Österreich.

Doch auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand das St. Vither Land noch keine Ruhe, wenngleich sie von Kampfhandlungen verschont blieb. Der »Frieden von Aachen« (1748) ermöglichte es der österreichischen Thronfolgerin Maria-Theresia ihr Erbe im Luxemburger Land anzutreten.

Zu Beginn der nun folgenden Friedenszeit wurde St. Vith noch von einem Brand heimgesucht, dem wiederum Häuser mehrerer Straßen zum Opfer fielen.

                     

Als Teil Österreichs, Frankreichs und Preußens

Maria Theresia

In die Regierungszeit Maria-Theresias fällt die Gründung der St. Vither Lederindustrie. Im März 1752 begründete Hubert Buschmann die St. Vither Gerbertradition, die in ihrer Blütezeit mehrere Betriebe mit über 600 Gruben (d.h. fast 10.000 Häute) umfasste. Das St. Vither Leder wurde per Pferdefuhrwerk nach Leipzig und nach Frankfurt zur Messe gefahren und hatte einen ausgezeichneten Ruf.

In die Zeit Maria Theresias fällt auch die Aufstellung des »Theresianischen Katasters«, einer zu Besteuerungszwecken angelegten Liste, in der Einwohner und Gebäude nach Wohnort und Gerichtsbezirk erfasst wurden.

Aus der Liste der Stadt St. Vith ist zu ersehen, dass »die Stadt noch nicht voll aufgebaut und teilweise in sehr schlechtem Zustand war«. Eine Steuerge-rechtigkeit im heutigen Sinn hat aber dennoch nicht bestanden, da die Besteuerung der Stadtbürger um die Hälfte niedriger war, als die der Auswärtigen, die nicht das Bürgerrecht besaßen.

Gleichheit aller Bürger und endgültige Abschaffung der Leibeigenschaft, des Frondienstes und des Lehnswesens (Ancien Régime) brachte erst die Französische Revolution.

Im Verlauf des österreichisch-französischen Krieges besetzten die Franzosen nach der Schlacht bei Fleurus (Juni 1794) das heutige Belgien und auch das St. Vither Gebiet.

Dies bedeutete das Ende der bisherigen Herrschaft St. Vith sowie des übergeordneten Herzogtums Luxemburg. Der letzte Lehnsherr, Wilhelm von Nassau, floh 1795 mit seiner Familie nach England. 

St. Vith war ab sofort Sitz einer »Mairie« (Bürgermeisterei) und bildete mit den umliegenden Bürgermeistereien den Kanton St. Vith, der seinerseits zum Arrondissement Malmedy im Département de l'Ourthe gehörte.

Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo wurde unser Gebiet auf dem ›Wiener Kongress‹ (1815) der preußischen Rheinprovinz (Regierungsbezirk Aachen) angegliedert. St. Vith, bis 1820 Kreisstadt, gehörte dann bis 1920 zum Kreis Malmedy.

In dieser Zeit erfuhr die Stadt und das Umland einige Verbesserungen hinsichtlich der Lebensqualität (Land- und Forstwirtschaft, Wasserversorgung, Schulwesen, Hospitalbau, Postwesen, Eisenbahnbau).

Die Anbindung an die Eisenbahn (ab 1887) war für die Stadtentwicklung von erheblicher Bedeutung. In der Blütezeit wurden im St. Vither Bahnhof täglich 30 Personen- und 80 Güterzüge abgefertigt. Rund 1.200 Personen waren hier beschäftigt und die Bedeutung als Geschäftszentrum wuchs.

              

Im 20. Jahrhundert

Nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem 57 eingezogene St. Vither Bürger nicht wiederkehrten, wurden die preußischen Kreise Eupen und Malmedy durch den ›Versailler Vertrag‹ dem Königreich Belgien zuerkannt.

Per »Volksbefragung« (1920), die als »petite farce belge« in die Geschichte einging, wurde »festgestellt«, dass die Mehrheit der Bevölkerung zu Belgien gehören wollte. Von den über 33.000 Stimmberechtigten hatten sich nämlich nur 271 Personen in die Listen eintragen lassen, und damit für einen Verbleib des Gebiets bei Deutschland gestimmt.

Diese Personen mussten mit mancherlei Schikanen und Repressionen seitens der belgischen Behörden rechnen. Im Zuge dieser »Volksbefragung« sind viele reichsdeutsche Bahnbedienstete von St. Vith nach Mödrath umgesiedelt worden, wobei behördlicherseits keine Rücksicht auf die jahrelang gewachsenen familiären und freundschaftlichen Beziehungen genommen wurde.

Nach einer fünfjährigen Übergangszeit (»Gouvernement Baltia«) wurde das Gebiet von Eupen, Malmedy und St. Vith 1925 endgültig in den belgischen Staatsverband aufgenommen.

Der Wechsel des Vaterlandes wurde von vielen, wie erwähnt, nicht leicht verkraftet, doch boten günstigere wirtschaftliche Gegebenheiten einen Anreiz, sich mit der neuen Situation anzufreunden. 

Eine wachsende Bevölkerungszahl und eine rege Bautätigkeit in den »Zwischenkriegsjahren« zeugen von ökonomischem Wohlstand, der nach der Weltwirtschaftskrise (1929) gebremst wurde.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen am 10. Mai 1940 wurde das Gebiet von Eupen-Malmedy-St. Vith per Führererlass dem nationalsozialistischen Deutschen Reich einverleibt und in die Wirren des Zweiten Weltkrieges hineingezogen.

Die im übrigen Reich tätigen NS-Organisationen rekrutierten auch hier ihre Mitglieder. Viele Wehrpflichtigen mussten ihren Dienst widerwillig in der deutschen Wehrmacht verrichten, was ihnen nach Kriegsende als Verbrechen gegen den belgischen Staat angelastet wurde.

Erste Auswirkungen des Krieges erlitt St. Vith am 9. August 1944, als die Kirche und der Bahnhof von Bomben zerstört wurden; sechs Menschen verloren dabei ihr Leben.

Am 3. September kam der Befehl zur Evakuierung, dem die meisten Einwohner nachkamen und die Stadt schweren Herzens in Richtung Hannoversch-Münden und Dransfeld verließen.

Mitte September besetzten die Amerikaner die Stadt und die belgische Verwaltung übernahm den Dienst. Am 16. Dezember 1944 begann die Ardennenoffensive u.a. mit dem Beschuss St. Viths. Die Einnahme der Stadt scheiterte jedoch und vereitelte somit die ganze Offensive, die sich zu einem Stellungskrieg entwickelte. Vor Weihnachten zogen in St. Vith wieder deutsche Truppen ein.

An den beiden Weihnachtstagen 1944 brach dann die Katastrophe über St. Vith herein: 

Alliierte Bomberverbände legten die Stadt in Schutt und Asche. 153 St. Vither Bürger und über 1.000 Soldaten kamen alleine an diesen beiden Tagen ums Leben. Fast 600 Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt (über 90%).

                 

Wiederaufbau

Trotz dieser tragischen Ereignisse bauten die St. Vither ihre Stadt an der gleichen Stelle wieder auf. Die Trümmer der zerbombten Stadt wurden zum »Millionenberg« aufgeschichtet und das Leben begann sich ab 1946 wieder in den Behelfsheimen der »Neustadt« zu organisieren.

Bis in die 1960er Jahre dauerte der Wiederaufbau der Stadt; das Krankenhaus (1953 wiedereröffnet), die Kirche (1959 eingeweiht), die Schulen und natürlich die vielen Privatgebäude erstanden neu und füllten so allmählich wieder die durch den Krieg gerissenen Wunden.

St. Vith entwickelte sich wieder zum Geschäftszentrum der näheren und weiteren Gegend. Vieh-, Kram- und Jahrmärkte, Handels- und Landwirtschaftsschauen sowie neu eröffnete Geschäfte und Betriebe zeugten vom wirtschaftlichen Aufschwung.

Der zunehmende Verkehr wirkte sich ungünstig auf die Eisenbahn aus, die wegen der durch den Krieg zerstörten Infrastruktur und wegen der nachlassenden Nachfrage schließlich nicht mehr konkurrenzfähig war und abgebaut wurde. In dem Bahngebäude, das den Krieg überstand, befindet sich heute das Heimatmuseum.

Der Hauptverkehr fließt heute wie damals immer noch in Nord-Süd-Richtung, allerdings nicht mehr auf Schienen, sondern auf der 1986 eröffneten Autobahn, die die Stadt an der Westseite passiert.

Nach den Gemeindefusionen von 1977 wuchs die Stadtgemeinde St. Vith um ein Vielfaches, denn die seit 1795 eigenständigen Gemeinden Recht, Lommersweiler, Schönberg und Crombach sowie das Dorf Wallerode wurden bei St. Vith eingemeindet. Im neuen Rathaus (1979 eröffnet) wird die Einheit der Stadtgemeinde sichtbar.

Seit den 1960er Jahren hat sich die Stadt vom reinen Geschäftszentrum auch immer mehr zu einem Schul- und Dienstleistungszentrum entwickelt: 

Der Ausbau der verschiedenen Schulen, die Ansiedlung verschiedener Behörden, die Inbetriebnahme des Sport- und Freizeitzentrums, die Erweiterung der Klinik hat nicht nur das Angebot erweitert, sondern auch neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die touristischen und wirtschaftlichen Trümpfe der »Hauptstadt der belgischen Eifel« sind, neben der Verbundenheit der Menschen mit ihrer Stadt, mit ihrem Dorf, der Garant für eine gestiegene Lebensqualität, die man zu schätzen weiß.


Quellen: Geschichts- und Museumsverein »Zwischen Venn und Schneifel«, st.vith.be