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Reims

Reims, früher auch Rheims, ist eine Stadt mit rd. 182.000 Einwohnern im Nordosten Frankreichs, etwa 130 Kilometer von Paris und etwa 190 km von Metz entfernt.


Reims liegt im Zentrum der Champagne, die den weiten, flach gestuften Ostteil des Pariser Beckens einnimmt. Die Stadt befindet sich in einer Ebene am rechten Ufer der Vesle, einem Zufluss der Aisne, und am Canal de l’Aisne à la Marne. Im Süden und im Westen erhebt sich die »Montagne de Reims«. Aus den Trauben der dortigen Weinberge wird der Champagner hergestellt. Ein Teil der Montagne de Reims gehört zum »Regionalen Naturpark Montagne de Reims«.

Domenico Quaglio (* 1787; † 1837): Die Kathedrale von Reims, Museum der bildenden Künste Leipzig

Reims mit ist der Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Reims im Département Marne in der Région Champagne-Ardenne.

Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofs und besitzt seit 1971 (wieder) eine Universität. In Reims werden Champagner, aber auch Textilien, Nahrungsmittel sowie Ausrüstungsgegenstände für die Raumfahrt hergestellt. Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Zeit vor der römischen Herrschaft zurück. 

       

Geschichte

Römerzeit

Relief am Rathaus

Die Gegend um Reims ist bereits seit frühester Zeit besiedelt. So finden sich in der Umgebung bronzezeitliche Urnenfelder. Die Kelten gründeten um 80 v. Chr. eine städtische Siedlung (Oppidum), die sie »Durocorter« – also »runde Burg« – nannten.

Die Römer lateinisierten diesen Namen zunächst zu »Durocortorum«. Nach der Eroberung durch die Römer im Gallischen Krieg wurde die Stadt in »Civitas Remorum« umbenannt und war Hauptstadt der römischen Provinz Belgica, benannt nach den »Remi«, dem hier ansässigen romtreuen Unterstamm der »Belger«. Die Privilegien, welche die Stadt für ihre Treue erhielt, trugen mit zu ihrem Wohlstand bei.

Die Gegend wurde in spätrömischer Zeit christianisiert und die Stadt zum Bischofssitz erklärt. Im Jahre 336 besiegte der römische Statthalter Jovinus sogenannte »Barbaren«, nachdem diese in die Champagne eingefallen waren. Im Jahr 356 fand die »Schlacht von Reims« gegen ein alamannisches Heer statt.

        

Mittelalter

Die Stadt stand über Jahrhunderte im Zentrum europäischer Geschichte. Um 401 wurde von Bischof Nicasus eine Kirche erbaut. Bischof Nicasus, der spätere Heilige, kam beim Sturm der Vandalen auf die Stadt im Jahr 406 ums Leben.

geschnitzte Kanzel der Kathedrale

451 eroberten die Hunnen unter Attila die Stadt, zogen aber nach der »Schlacht auf den Katalaunischen Feldern« (nicht weit von Reims) wieder ab.

In der Kathedrale der Stadt wurde zwischen 497 und 499 Chlodwig I. durch Bischof Remigius getauft, was entscheidend für den Aufbau des Frankenreiches wurde. 

Die Bedeutung der Stadt, die bald auch Sitz eines Erzbischofs wurde, zeigt sich auch darin, dass sie bei den merowingischen Reichsteilungen Residenz eines Teilreichs war.

Im 8. Jahrhundert trafen sich der fränkische König Pippin der Jüngere in Reims mit Papst Stephan III. und später Papst Leo III. mit Karl dem Großen. 

Place du Parvis, Foto: Magnus Manske

816 fand die erste Krönung in Reims statt, als der Franke Ludwig der Fromme, von seinem Vater Karl dem Großen schon zu dessen Lebzeiten zum Mitkaiser ernannt, nach Karls Tod von Papst Stephan IV. dort noch einmal zum Kaiser gekrönt wurde. Die Könige Karlmann I. († 771), Ludwig IV. († 954) und Lothar († 986) wurden in der »Basilika Saint-Remi« bestattet.

Im 10. Jahrhundert war der Erzbischof Adalberon maßgeblich daran beteiligt, dass die französische Regentschaft vom Haus der Karolinger auf die Kapetinger überging. Er sorgte, gemeinsam mit Gerbert von Aurillac, auch dafür, dass die Stadt mit ihrer Kathedralschule zu einem intellektuellen Zentrum des Frühmittelalters wurde.

Reims blieb vom 12. bis zum 19. Jahrhundert die Stadt, in welcher die französischen Könige gesalbt und gekrönt wurden. Eine hohe symbolische Bedeutung hatte es, dass es den Franzosen unter Jeanne d’Arc während des »Hundertjährigen Krieges« gelang, die Engländer, welche den Norden des Landes besetzt hatten, zurückzudrängen und Reims zurückzuerobern.  Karl VII. wurde dann im Jahre 1429 in Reims gekrönt.

Stadtrechte sind für Reims seit 1139 dokumentiert. Als bedeutender Markt der Champagne besaß Reims auch einige wirtschaftliche Bedeutung.

             

Neuzeit

Eine Rebellion der Bürger, welche sich gegen die Erhebung der Salzsteuer richtete, wurde 1461 von Ludwig XI. niedergeschlagen.

In den Hugenottenkriegen stand die Stadt ab 1585 aufseiten der »Katholischen Liga«, unterwarf sich aber 1590 König Heinrich IV. 

Der Wohlstand der Stadt, der vor allem auf der Wollindustrie beruhte, zeigte sich u. a. im Bau repräsentativer Stadtpalais in der Zeit des Absolutismus.

Infolge der Französischen Revolution wurde die Provinz Champagne aufgelöst und Reims dem Département Marne zugeordnet.

Die Krönung Napoleons erfolgte, anders als die der französischen Könige, nicht in Reims, sondern in Paris.

Anfang 1814 war die Gegend von Reims hart umkämpft, ehe Napoleon abdankte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die mittelalterliche Wehrmauer abgerissen. Allmählich setzte die Industrialisierung ein, 1854 erreichte die Eisenbahn Reims.

Place Royal

1870/1871 machten die Preußen Reims zum Sitz eines General-gouverneurs, wobei die Stadt unter hohen Kontributionen zu leiden hatte. 

1909 war Reims Schauplatz einer der ersten internationalen Flugschauen, an welchen auch der Luftfahrtpionier Louis Blériot teilnahm.

            

Weltkriege und Wiederaufbau

Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt, die 1914 etwa 120.000 Einwohner zählte und fast unmittelbar hinter der Frontlinie lag, von – vor allem – deutschen, aber auch französischen Artilleriegeschossen und Luftangriffen zu fast 60 % verwüstet.

Kathedrale Reims im Jahr 1916

Im März 1918 wurde die Zivilbevölkerung größtenteils evakuiert. Am 17. Januar 1919 rief die Comtesse de Mun die Aktion »Zurück nach Reims« (Retour à Reims) ins Leben, wodurch rückkehrende bedürftige gratis Matratzen, Möbel und Wäsche beziehen konnten.

Vermögende Personen konnten für 3 Monate Möbel mieten. Die Aktion »Zurück nach Reims« führte außerdem vier öffentliche Kantinen. Im Juli 1919 wurde Reims anlässlich eines Besuchs des französischen Präsidenten Raymond Poincaré zur »Märtyrerstadt« (ville martyre) erklärt. Es hatten sich erst 25.000 Einwohner in der Ruinenstadt wieder einrichten können.

Kathedrale im 1. Weltkrieg

Bereits während des Krieges machten sich die Stadtoberen von Reims Gedanken über den Wiederaufbau. Im April 1920 verabschiedete die 1919 neu gewählte Regierung unter Bürgermeister Charles Roche einen ehrgeizigen Plan des US-amerikanischen Armeemajors Georges B. Ford zum Wiederaufbau.

Der Wiederaufbau (la reconstruction) der Innenstadt erfolgte in den 1920er Jahren im Stile des Art Déco. 

Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde 2. Weltkrieg am 7.5.1945 u.a. durch Generaloberst Alfred Jodl, Chef des Führungsstabes der Deutschen Wehrmacht, Ort: Reims, Frankreich, Amerikanisches Hauptquartier

Der Wiederaufbau von Reims verwandelte die Stadt nun über Jahre hinweg in eine einzige Baustelle, zuerst mit dem Bau öffentlicher Gebäude und Handelshäuser sowie mit der Instandsetzung von Häusern, die man noch »retten« konnte.

Daraufhin erfolgte der komplette Neubau ganzer Straßenzüge. Der Wiederaufbau der Wohnbauten war im Wesentlichen um 1930 beendet, jener der Kathedrale erst 1938, jener der Basilika Saint-Remi 1958 und jener des Glockenturms der Jakobskirche sogar erst 1994.

Am 7. Mai 1945 wurde in Reims, im damaligen Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower, des Oberbefehlshabers des SHAEF, durch Generaloberst Alfred Jodl die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnet.

Ebenfalls in Reims fand 1962 das Versöhnungstreffen zwischen Präsident Charles de Gaulle und Konrad Adenauer statt.

             

Sehenswürdigkeiten

Hôtel de Ville (Rathaus)

  • Die wichtigsten Plätze in Reims sind die Place Royale (»Königlicher Platz«) mit einer Statue von Ludwig XV., und die Place du Parvis (»Kirchenvorplatz«) mit einer Statue von Jeanne d’Arc.
  • Die wichtigste Hauptstraße, Rue de Vesle, durchquert die Stadt von Südwesten nach Nordosten und kreuzt dabei die Place Royale.
  • Das älteste Monument der Stadt ist das Marstor (la Porte de Mars) aus dem 3. Jhdt., ein 33 Meter langer und 13 Meter hoher Triumphbogen (Arc de triomphe) mit drei Bögen.
  • Die Kathedrale Notre-Dame de Reims gilt als eine der architektonisch bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs. Vom 12. bis zum 19. Jahrhundert wurden hier die französischen Könige gekrönt. Sie zählt seit 1991 neben dem Palais du Tau und der Basilika Saint-Remi zum Unesco-Weltkulturerbe.
  • Cours Langlet: Die Fassaden entlang dem Prachtboulevard, der zur Kathedrale führt, bilden ein Résumé der architektonischen Optionen der »reconstruction« der im Ersten Weltkrieg zerstörten Stadt.
  • Grand Théâtre: Art-déco-Bau von überregionaler Bedeutung. 1931 eröffnet, mit Brunnenschalen und Basrelief, schmiedeeisernen Treppengeländern mit goldenen Masken und einem mächtigen Brustschild-Leuchter unter der Saalkuppel.
  • Bibliothèque Andrew Carnegie: 1928 eröffnet und benannt nach dem amerikanischen Milliardär und Philanthropen Andrew Carnegie, einem Finanzier des Wiederaufbau der Stadt nach dem Ersten Weltkrieg. Von außen wie ein kleiner griechischer Tempel wirkend, präsentiert sich das Vestibül als raffiniertes Art-déco-Juwel.
  • Sonstige Sehenswürdigkeiten: Das Museum Saint Denis beherbergt eine interessante Sammlung französischer Gemälde. Außerdem sind noch Reste des römischen Amphitheaters erhalten geblieben.
  • Im Norden von Reims liegt die Kapelle Notre-Dame de la Paix des japanisch-französischen Künstlers Tsuguharu-Leonard Foujita (geweiht 1966). Die Fenster der Kapelle wurden vom Glasbaumeister Charles Marq gefertigt, der auch die Marc-Chagall-Fenster in der Kathedrale Notre-Dame hergestellt hat. In der Kapelle ist das Leben Jesu in Fresken dargestellt. Foujitas Stil lehnt sich ausdrücklich an Leonardo da Vinci an, nach welchem er auch seinen zweiten – christlichen – Vornamen gewählt hat. Dabei schlägt er thematisch eine Brücke zur Moderne, indem er sich in den »Makabren Tänzen« auf Hiroshima bezieht. Foujita ist in der Kapelle begraben.
  • Das Museum der Übergabeerklärung (Musée de la Reddition) zeigt unter anderem den Saal mit den Generalstabskarten General Eisenhowers, in dem von Generaloberst Jodl am 7. Mai 1945 die Kapitulationserklärung der deutschen Wehrmacht unterzeichnet wurde.


Kirche St. Jacques