Homepage Thomas Abel
 

Thionville

Die Stadt Thionville  (deutsch: Diedenhofen) liegt im Département Moselle im Nordosten Frankreichs, gut 20 km entfernt von der deutschen Grenze. Thionville hat etwa 41.000 Einwohner.

Im örtlichen moselfränkischen Dialekt, der noch von den Älteren gesprochen wird »Diddenuewen« genannt. 


Thionville bestand schon zur Zeit der Merowinger und wurde in Urkunden als Theudonevilla, Totonisvilla, Thionisvilla (1236) und Theodunvilla erwähnt. Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort 753 als »theodonis villa«.

Sehr viel spricht für Thionville als Geburtsort von Karl dem Großen, geboren am 2. April 747 od. 748. Dass Karl in Diedenhofen / Thionville geboren sei, ist zwar umstritten, aber sehr wahrscheinlich, insbesondere wenn man die Vita seiner Eltern Pippin III. und seiner Mutter Betrada berücksichtigt.

Eine oft genannte Variante, sein Geburtsort sei Ingelheim zwischen Mainz und Bingen scheidet schon deshalb aus, weil Karl selbst erst 774 Ingelheim zur Pfalz ausgebaut hat.

Diedenhofen (Thionville) war bereits zur Zeit Pippin des Jüngeren, dem Vater von Karl dem Großen, eine königliche Pfalz. In ihr wurden mehrere Hoftage abgehalten, zum Beispiel 835, auf dem die Absetzung Ludwig des Frommen für ungültig erklärt wurde.

Pippins Sohn Karl der Große erließ am 24. Dezember 805 in Thionville das nach der Stadt benannte Diedenhofener Kapitular.

Ab dem 10. Jahrhundert gehörte das Gebiet mit Luxemburg zum Heiligen Römischen Reich und blieb bis 1462 im Besitz der Herzöge von Luxemburg. Von jenem Jahr bis 1477 gehörte es dem Herzog von Burgund und von 1477 bis 1643 den Habsburgern.

Nachdem Diedenhofen 1558 von französischen Truppen unter dem Herzog von Guise belagert worden war, kam es 1639 im Zusammenhang mit dem »Französisch-Spanischen Krieg« (1635–1659) zu einer erneuten Belagerung der Stadt.

Unter Führung von Manassès de Pas, dem Marquis de Feuquières (* 1. Juni 1590 in Saumur; † 13. März 1640 bei Thionville, war ein französischer Feldherr unter König Ludwig XIII. und Sondergesandter des Kardinals Richelieu), wurden dessen Truppen von einem überlegenen kaiserlichen Heer unter General Octavio Piccolomini in der »Schlacht von Diedenhofen« am 7. Juni 1639 geschlagen.

Doch schon am 10. August 1643 eroberten und besetzten französische Truppen den Ort erneut.

Durch den »Pyrenäen-Frieden« wurde Thionville am 7. November 1659 an Frankreich abgetreten.

Im Jahr 1792 begann der Feldzug des Herzogs von Braunschweig zur Rückeroberung des Throns von König Ludwig XVI. mit der Belagerung von Thionville, deren Besatzung für die Französische Revolution eintrat.

Die Belagerung scheiterte letztlich und gab dem Ancien Régime einen Vorgeschmack auf den erbitterten Widerstand der Revolutionsarmee, der in der »Kanonade von Valmy« gipfeln sollte.

Im »Deutsch-Französischen Krieg« von 1870/71 wurde die Stadt während der Belagerung durch preußische Truppen stark beschädigt. Die Festung kapitulierte am 25. November 1870, über 4000 Franzosen gingen in Gefangenschaft. Diedenhofen musste am 10. Mai 1871 aufgrund des »Frankfurter Friedens« an das neue Deutsche Kaiserreich abgetreten werden.

Am 22. November 1918 besetzten französische Truppen die Stadt. Der »Friedensvertrag von Versailles« bestimmte die Abtretung von ganz Deutsch-Lothringen (»Reichsland Elsass-Lothringen«) an Frankreich.

In der Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges ab 1940 wurde Lothringen einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt (CdZ-Gebiet) und war damit inoffiziell wieder Teil des Deutschen Reichs. Der Begriff »CdZ« leitet sich von der Abkürzung für »Chef der Zivilverwaltung« ab.

1944 nahmen US-amerikanische Truppen Thionville ein, das seitdem wieder zu Frankreich gehört. Noch im Winter 1944/45 wurde das DP-Lager Nr. 8 für »Displaced Persons« eingerichtet, welches in den folgenden Jahren tausende ehemalige KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene aufnahm.

Nachdem Thionville, wie ganz Frankreich, in den ersten Nachkriegsjahrzehnten einen Wirtschaftsaufschwung erlebte (trente glorieuses), setzte seit den 1970er Jahren der Niedergang der dominierenden Schwerindustrie ein.

Schleusenbrücke (Pont-écluse)

Vor allem der Abbau von Eisenerz (Minette) wurde mehr und mehr reduziert, sodass die Stadt und die gesamte Region mit wirtschaft-lichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte.

Man besann sich seiner Kultur, Bauwerke und landschaftlichen Schönheiten in der Stadt und der Umgebung. Mehr und mehr wurden und werden diese Ressourcen genutzt und heute ist der Tourismus in der Großregion als Wirtschaftsfaktor und damit auch Einnahmequelle nicht mehr wegzudenken.

                        

Thionville in der Literatur

Karl Mays Fortsetzungsroman »Die Liebe des Ulanen« spielt vor dem historischen Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges teilweise in Thionville.

     

Sehenswertes in Thionville

  • »Hôtel de Ville« (Rathaus) 1634-1637
  • Belfried aus dem 14. Jhdt.
  • »Tour aux Puces«, ursprünglich Bergfried aus dem 11. Jhdt.
  • »Autel de la Patrie« (Obelisk aus der Zeit der Französischen Revolution)
  • viele restaurierte Bürgerhäuser und Villen a. d. Wilhelminischen Zeit 
  • »Ponts-écluse«  (2 Schleusenbrücken über den Canal des fortification)