Das Kloster Himmerod

Kloster Himmerod um 1920

Das Kloster Himmerod (lat. Abbatia Claustri, Eifeler Mundart: »Hammerd«) ist die älteste Ordensgründung durch Bernhard von Clairvaux auf deutschem Boden.

Die 1134/35 gegründete Zisterzienserabtei in der Eifel liegt zwischen Großlittgen und Eisenschmitt  im Landkreis Bernkastel-Wittlich im Tal der Salm. 

An die Stelle der zunächst hölzernen Klosteranlage, welche die Mönche im Jahr 1136 bezogen hatten, trat der im Jahr 1178 eingeweihte steinerne romanische Kirchbau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte die Abtei 1950 allgemeine Bekanntheit durch die »Himmeroder Denkschrift«, die der Grundstein zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik war. Die Abtei Himmerod gehört zur »Mehrerauer Kongregation«. 

       

Gründung und Klostergeschichte

Gründungsurkunde Kloster Himmerod

Der Orden der Zisterzienser ist schon 900 Jahre alt. Das Mutterkloster »Cîteaux« entstand 1098 als benediktinisches Reformkloster, die Gründermönche nannten es »Neukloster«, weil sie die ›Benediktsregel‹ und ihre monastische Berufung in der Nachfolge Christi neu in die Mitte ihres Lebens stellen wollten. Sie suchten mit aller Ernsthaftigkeit ein einfaches Leben zu verwirklichen, geprägt von Gebet und Arbeit.

Nach der Berufung des ›Albero von Montreuil‹ zum Erzbischof von Trier im Jahre 1131 setzte sich dieser bei ›Bernhard von Clairvaux‹ für die Gründung eines Zisterzienserklosters auf trierischem Gebiet ein.

Daraufhin entsandte Bernhard 1134 von Clairvaux aus einen Gründerkonvent unter dem Abt Randulf. Zunächst ließ sich der Konvent bei Winterbach an der Kyll (Eifel) nieder. 

Bei einem Besuch im Jahre 1135 bestimmte Bernhard ›Himmerod‹ im Salmtal als neuen Standort. Himmerod war das 14. Zisterzienserkloster und das erste deutsche Kloster, das direkt von Bernhard von Clairvaux gegründet wurde. 

Zunächst wurde in Himmerod ein Behelfskloster errichtet, bevor Bernhard den Mönch Achard als Baumeister der Klosteranlage nach Himmerod entsandte.

1178 weihte Erzbischof Arnold von Trier die romanische Klosterkirche. 

1179 starb der 1699 seliggesprochene Priestermönch ›David von Himmerod‹, der letzte Überlebende des Gründungskonvents. 

Kloster Himmerod selbst besiedelte zwischen 1153 und 1156 die Abtei Châtillon im Bistum Verdun (heute Gemeinde Pillon im Departement Meuse), eine Tochtergründung des Klosters Trois-Fontaines, und gründete als eigenes Tochterkloster 1189 die Abtei Heisterbach.

Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts hatten die Grafen von Sponheim ihre Grablege im Kloster. Die Grabsteine, unter anderem der der Gräfin Loretta, waren noch im 18. Jahrhundert vorhanden.

Kloster Himmerod 1799

1224 bestimmte der Abt des Mutterklosters Clairvaux, dass die Anzahl der Mönche nicht mehr als 60 und die der Laienbrüder nicht mehr als 200 betragen durfte. Kloster Himmerod besaß inzwischen einen großen Grundbesitz, welchen es teilweise verpachtete.

1519 erfuhr das Kloster eine erneute Aufwertung, indem Papst Leo X. den Äbten von Kloster Himmerod die Pontifikalien, also die bischöflichen Insignien wie Mitra und Krummstab verlieh.

In den Jahren 1621 bis 1630 wurde die romanische Klosterkirche restauriert. 

Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Abtei schwer unter den plündernden Soldaten zu leiden. 1641 legte der Abt Matthias Glabus aus Lieser trotz des andauernden Krieges den Grundstein für einen Klosterneubau, der 1688 unter Abt Robert Bootz vollendet wurde.

Christian Kretschmar

Unter Abt Leopold Kamp begann der Architekt Christian Kretzschmar 1739 mit dem Neubau einer barocken Klosterkirche im Zisterzienserstil mit Dachreiter, ohne Kirchtürme. Die Kirche wurde 1751 fertiggestellt.

Das Kloster wurde im Zuge der Französischen Revolution am 26. Juli 1802 durch die französische Regierung unter Napoleon das Kloster aufgelöst, die Mönche vertrieben. 

Nach der Säkularisation verfielen Kloster und Kirche. 1803 wurde das Kloster an einen Hüttenbesitzer versteigert, der das kupferne Kirchendach abbauen ließ. Teile der Gebäude wurden abgerissen. Dadurch wurde die Kirche zur Ruine.

In der Folgezeit wechselten die Besitzer, welche die Klostergebäude hauptsächlich als Steinbruch nutzten. Nur die Mühle und das Pförtnerhaus blieben verschont. 

Kloster Himmerod mit der Ruine der barocken Klosterkirche, um 1920

Von der Klosterkirche blieb im Wesentlichen nur ein Giebel erhalten, welcher wegen seiner romantischen Wirkung in der Eifelmalerei Fritz von Wille oft dargestellt wurde. Der letzte Besitzer, Reichsgraf Ottokar von Kesselstatt, verkaufte das Gut 1919 an deutsche Trappisten aus Mariastern/Bosnien.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnten 1919 Mönche nach Himmerod zurückkehren und den Neuanfang wagen.

1922 gründeten deutsche Zisterziensermönche aus der Abtei Marienstatt im Westerwald das Kloster neu. Die Klostergebäude wurden in den Jahren 1926/1927 wieder errichtet. Die Gemeinschaft erlebte in die 1930er Jahren eine neue Blüte und wuchs stark an.

Kloster Himmerod mit der Ruine der barocken Klosterkirche, um 1920

Die nach der Säkularisation bis auf wenige Reste zerstörte Kirche wurde unter Vitus Recke (geb. in Bickenriede/Eichsfeld, Abt in Himmerod von 1937 bis 1959) ab 1952 wieder aufgebaut. 

Wegen der hohen Kosten und der Zeitumstände zog sich der Wiederaufbau hin, sodass die Kirche erst 1962 fertiggestellt wurde. Zwei Jahre zuvor – am 15. Oktober 1960 – hatte sie Bischof Matthias Wehr geweiht.

Vom 5. bis 9. Oktober 1950 tagten in Himmerod ehemalige deutsche Wehrmachtsoffiziere, um im Auftrag der Bundesregierung um Kanzler Adenauer die deutsche Wiederbewaffnung vorzubereiten. 

Das Ergebnis der Tagung war die »Himmeroder Denkschrift«. Wegen der historischen Bedeutung Himmerods für die Geschichte Deutschlands und der Bundeswehr legten dort am 10. September 2008 550 Rekruten ihr feierliches Gelöbnis ab. 

                            

Gegenwart

Heute leben im Kloster Himmerod 10 Mönche. Die Abtei betreibt ein Museum (in der alten Mühle) mit wechselnden Kunstausstellungen, eine Buch- und Kunsthandlung, eine Gaststätte, ein Gäste- und Exerzitienhaus, eine Gärtnerei sowie eine Fischerei.

Nach Verlusten von mehr als 200.000 € jeweils in den Jahren 2008 und 2009 mussten Mitarbeiter entlassen und Eigenbetriebe wie zum Beispiel die Fischerei geschlossen werden.

Foto: Langec

Im September 2015 geriet das Kloster in die Schlagzeilen, als es bei einem Auktionshaus eine wertvolle Handschrift und Inkunabeln aus seiner Bibliothek versteigern ließ, was von Fachleuten kritisiert wurde und auch in der Öffentlichkeit Empörung auslöste. 

Die Handschrift wurde daraufhin aus der Auktion zurückgezogen und vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz erworben.

      

Quellen: wikipedia.org, abteihimmerod.de, klosterlexikon-rlp.de, eifelfuehrer.de