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Das römische Amphitheater


Der älteste noch erhaltene Bau der Römer in Trier ist das in den Petrisberg eingegrabene Amphitheater am Ostrand der antiken und heutigen Stadt.

Erbaut wurde es um 100 n. Chr., wahrscheinlich anstelle eines Vorgängerbaus aus Holz. Nach seiner Fertigstellung bot es rd. 18.000 Besuchern Platz.

Einer der Gründe, warum das Amphitheater am Petrisberg gebaut wurde, war, dass durch die Hänge des Petrisberges nur eine Hälfte mit Erde für Zuschauertribünen aufgeschüttet werden musste. Es ist nach Norden ausgerichtet und hat einen Nord- und einen Südausgang.

Foto: Stefan Kühn

Das mit Kalksteinwürfeln verblendete und mit in Mörtel gebetteten Kalksteinbrocken gefüllte Guß-Mauerwerk hatte hauptsächlich die Aufgabe, als Widerlager gegen den Druck der Erdmassen zu dienen. Die gleiche Funktion erfüllten auch die scheinbar halbkreisförmigen Türme an den beiden Hauptzugängen, die ursprünglich nicht sichtbar gewesen waren.

Ende des 2. Jahrhunderts wurde es beim Bau der römischen Stadtbefestigung in die Stadtmauer einbezogen. Das Theater wurde schnell ein Teil des Alltags vieler Bürger der Stadt Trier.

Dort boten lokale Würdenträger, kaiserliche Beamte sowie in der Spätantike auch einige persönlich anwesende Kaiser den Bürgern Brot und Spiele:

Tierhetzen (venationes) und Gladiatorenkämpfe entschieden über Leben und Tod, Hinrichtungen fanden statt und wichtige Ankündigungen wurden ausgerufen.

Das Amphitheater hatte – als ungewöhnliche Besonderheit – außerdem noch eine weitere Funktion: Es diente als östliches Stadttor von Trier.

Foto: Nick-D

Das antike Theater bot mit seinen auf drei Ränge verteilten 26 Sitzreihen rund um das Oval von 70 Metern Länge und 49 Metern Breite 18.000 Zuschauern Platz.

Damit hatte es in etwa die Größe wie das Amphitheater in Verona. Die drei Ränge waren durch ringsum laufende Gänge voneinander getrennt.

Den untersten oder 1. Rang nannten die Römer »ima cavea«, den mittleren oder 2. Rang  »media cavea«, den obersten oder 3. Rang  »summa cavea«.

Die Sitzreihen führten durch Bogenstellungen auch über die beiden Haupteingänge im Norden und Süden hinweg.

Beide Tore dienten in der Spätantike als inneres und äußeres Stadttor. Die Arena übte in diesem Zusammenhang die Funktion eines Zwingers aus. Beiderseits von jedem Haupteingang war ein Gang, der in den Zuschauerraum führte.

An der Westseite befanden sich zwei weitere, noch erhaltene Gewölbeeingänge. Diese beiden Zuwege, lateinisch »Vomitoria« genannt, waren den vornehmen Zuschauern vorbehalten, denn sie führten beide auf das Podium, die der Arena nächstgelegene und durch eine Brüstungsmauer getrennte Plattform.

Hier befanden sich die Ehrensitze, die durch Inschriften kenntlich gemacht waren. Mehrere Stücke dieser Inschriften wurden ausgegraben.

Einer der beiden Gewölbeeingänge hatte seitliche Verbindung mit einem der Käfige, die in die Umfassungsmauer der Arena eingebaut waren. Im übrigen wurden die Sitzreihen auf der westlichen Seite mit Hilfe von Treppen, die zur obersten Plattform führten, erreicht.

Auf der Bergseite waren solche Treppen fast nur auf der inneren Böschung erforderlich. Zu den inneren Treppen gelangte man durch Türöffnungen einer Abschlußwand auf der obersten Plattform.

Unter der Arena befand sich ein aus Schieferfelsen gehauener Gewölbekeller, in dessen 14 Räumen sich die technischen Einrichtungen des Theaters, darunter eine Hebebühne, aber auch die Räume für die Gladiatoren und die Käfige für die wilden Tiere, denen politisch Unliebsame oder verfolgte Christen zum Fraß vor-gesetzt wurden, befanden.

Hier gab es auch Aufzüge, um die Akteure auftreten zu lassen. Es war deswegen nicht möglich, die Arena mit Wasser zu fluten.

Mittels der versenkbaren Bühne wurden in den Pausen zwischen den Kämpfen bzw. den Tierhetzen Darsteller für pantomimische oder musikalische Aufführungen ans Tageslicht befördert.

Eine Entwässerungsanlage sorgte dafür, dass die sandige Fläche bei großer Hitze berieselt werden konnte. Höhepunkt der Saison waren die jährlichen »Ludi francisci«, die »fränkischen Spiele«.

Von den Franken wurde das Amphitheater teilweise zerstört. Die Zuschauerränge wurden im Mittelalter als Steinbruch für den Bau von Kirchen und Klöstern genutzt und waren bis weit ins 19. Jahrhundert mit Reben der Abtei Himmerod in der Eifel bepflanzt.

Die Arena schüttete die Zeit mit Schlamm zu. Die Sitzreihen, Tore, Türme und weite Teile der Eingänge des Amphitheaters existieren daher heute nicht mehr.

1816 wurde die Ruine ausgegraben und Bauteile bzw. Einrichtungen freigelegt, darunter die Reste der Brüstungsmauer, die Kellerräume, in denen man zahlreiche Verfluchungstäfelchen der Todgeweihten entdeckte, sowie der Entwässerungskanal um die Arena herum.

Heute ist das Amphitheater nicht nur eine touristische Sehenswürdigkeit, seit 1996 wird es wie auch die unweit davon gelegenen Kaiserthermen während der Sommermonate für Freilichtaufführungen genutzt.

Seit 1986 ist das Amphitheater Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier.