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Die Gründungssage von Trier

Die Inschrift am ›Roten Haus‹ am Trierer Hauptmarkt nimmt Bezug auf die Gründungssage: 

»ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS. 

PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR.«

Übersetzung:

Vor Rom stand Trier 1.300 Jahre. 

Möge es weiter bestehen, ewigen Friedens sich freuen

        


Die Gründungssage der Stadt Trier

»Nini Semiramis, quae tanto coniuge felix, Plurima possedit, sed plura prioribus addit, Non contenta suis nec totis finibus orbis, Expulit a patrio privignum Trebeta regno, Profugus insignem nostram qui condidit urbem, Treberis huic nomen dans ob factoris amorem, Quae caput Europae cognoscitur anteritate.  Filius huius Ero, patris haec epigrammata pono.«

Trebeta, so kann der Inhalt des Gedichts zusammengefasst werden, ist von seiner Stiefmutter Semiramis, der Gemahlin des Ninus (sagenhafter Gründer der Stadt Ninive und des assyrischen Reiches), wegen ihrer Herrschsucht aus dem Reich vertrieben worden, hat als Flüchtling unsere Stadt gegründet und ihr aus Liebe zu seiner Gründung den Namen »Trier« (Treberis) gegeben.

Die Stadt ist als Haupt Europas an ihrem ehrwürdigen Alter erkennbar. Trebetas Sohn Ero (Hero) hat ihm diese Inschrift gesetzt.

Dieses aus dem 10. Jahrhundert stammende Gedicht wurde im 11. Jahrhundert in der HYSTORIA TREVERORUM (wahrscheinlich zwischen 1050 und 1060) und Anfang des 12. Jahrhunderts von einem Trierer Mönch aus dem Kloster St. Eucharius (heute St. Matthias) als ausführliche Erzählung niedergeschrieben.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Sage unterschiedlich interpretiert und ausgeschmückt. Sie fand bis zum 15. Jahrhundert in vielen Städten Europas Verbreitung. Nach Ilse Haari-Oberg (Die Wirkungsgeschichte der Trierer Gründungssage, Basel, 1994) sind vom 10. bis 15. Jahrhundert insgesamt 52 Quellen bekannt.

         

Hier die Gründungssage der Stadt Trier:

Im Jahre 1300 vor der Gründung der Stadt Rom führte der Assyrerkönig Ninus in der Absicht, seinen Herrschaftsbereich auszuweiten, Heere über die Grenzen seines Reiches. Fünfzig blutige Jahre seines Lebens verbrachte er in Kriegen, die er in Asien führte. Zuletzt überwand er den Baktrerkönig Zoroaster in einer Schlacht und ließ ihn töten. Er selbst erlag aber einem Pfeilschuss, als eine Stadt belagerte. 

Er hinterliess seine Gattin Semimaris und zwei Söhne: Trebeta und Nina.

Der ältere, Trebeta, entstammte einer Verbindung mit einer Chaldäerkönigin, die Ninus vor Semiramis geheiratet hatte.

Nina dagegen war ihm von Semiramis geboren worden. Nach ihres Gatten Tod wollte Semiramis ihren Stiefsohn Trebeta heiraten. Da dieser sich aber ihrer Absicht widersetze, verfolgte sie ihn so lange mit ihrem Hass, bis sie ihn aus ihrem Reich vertrieb. 

Trebeta zog nun lange umher und suchte eine neue Heimat. Ermattet von den Strapazen seines Umherziehens, suchte er endlich durch Los zu erfahren, wo er sich niederlassen könnte. Das Los wies ihn nach Euopa.

Nach Überquerung des Mittelmeers gelangte Trebeta in das Moseltal, ein Land, an Wäldern reich und von Berghängen umschlossen. Gefangen von der Lieblichkeit der Landschaft beschloss er, dort zu bleiben und eine Stadt zu erbauen, der er seinen Namen »Trebeta « (Treberis = Trier) gab. 

Im Jahre 1250 vor der Gründung Rom's wurde die Stadt Trier also gegründet, ein Ort von noch geringem Ruf. Dies geschah im 7. Jahre der Lebenszeit des Patriarchen Abraham. 

Nach Trebetas Tod folgte ihm in der Herrschaft sein Sohn Heros. Er ließ seinen Vater nach heidnischer Sitte verbrennen und bestattete ihn auf einem Gipfel des »Juraberges« (Mons Juranus = heutiger Petrisberig).

Er errichtete ihm Altäre und befahl seinen Untertanen, seinen Vater als Gott zu verehren. Auch ließ er die Taten seines Vaters auf einer Marmortafel aufschreiben, die er zur Kenntnis der kommenden Geschlechter mit dem Leichnam seines Vaters dem Schoss der Erde übergab. 

Nach Hero's Tode regierten eingeborene Trierer die Stadt. Und schon unternahmen es die Trierer, an Zahl und Macht gewachsen, ihre Stadt zu befestigen. Zuerst erbauten sie an der Nordseite der Stadt aus Quadersteinen ein Stadttor mit großen Türmen und nannten es Porta Nigra oder Marstor.

Seine Steine waren nicht durch Kalkmörtel, sondern durch Eisen oder Blei miteinander verbunden. Sie nannten es »Marstor«, wenn sie auszogen zum Krieg. »Schwarzes Tor« (Porta Nigra) wurde es genannt wegen der Trauer, in der sie, wenn sie vom Feind besiegt wurden, durch es zurückkehrten.

Das an Länge und Breite geräumige Feld nördlich dieses Tores, wo die jungen Männer zum Kriegsdienst ausgebildet wurden, hieß Marsfeld.

Ein zweites Tor wurde gegen Osten, ebenfalls mit prachtvollen Türmen, errichtet. Hier wurden die Trierer, wenn sie aus einem Krieg siegreich zurück-kehrten, unter dem Zulauf und den Freudensbezeigungen der ganzen Stadt empfangen. Deshalb nannte man es Porta Alba = Weißes Tor.

Das dritte Tor wurde mit hohen Türmen an der Südseite der Stadt erbaut; man nannte es das Porta Media (Mitteltor). Ein großer und bedeutender Handelsmarkt befand sich vor diesem Tor. Dort wurden auch die Toten zur Bestattung hinausgetragen.

Ein viertes Tor stand im Westen am Ufer der Mosel. Es übertraf an Pracht und Schönheit alle anderen Tore und hatte deshalb den Namen Porta Inclita = Berühmtes Tor. Die Trierer zierten es mit Sternen aus Gold, die dem benachbarten Hafen bei Tag und Nacht als Leuchtturm dienten. 

Auch errichteten die Trierer ein geräumiges Kapitol, ferner einen Götzentempel, in dem nicht weniger als 100 Götzenbilder vom Volke verehrt wurden.

Sie errichteten ferner zu Ehren des Gottes Merkur, den sie als höchsten Gott verehrten und der - wie sie glaubten - als Mittler zwischen Göttern und Menschen und als Bote des Friedens hin und her flog, einen Bogen von großer Höhe, in dem sie ein überaus großes, ehernes Bild Merkurs, so als flöge es durch die Luft, zum Schweben brachten; er trug die Inschrift: »Frei in den Lüften hängt aus Eisen der Heroldsträger«.

Es war aber ein Magnetstein im Gewölbe und ein anderer im Boden des Bogens eingefügt, dessen natürliche Kraft das Eisen in gerader Richtung anzog, und so schwebte das mächtige, eherne Bild in der Luft . 

Nicht weit davon erbauten sie über die Mosel aus mächtigen Steinen, die durch Blei und Eisen verbunden waren, eine Brücke, die kein Alter wankend machen und keine Wasserflut zerstören kann.

Sie errichteten auch Türme, Paläste, Tempel, Statuen, Thermen und Theater. Da sie auch Wasser im Überfluss zu haben wünschten, leiteten sie einen Bach, der heute »Olewig« heißt, am Fuße des Juraberges in die Stadt, der, in verschiedene Läufe aufgeteilt, kaum der Hälfte der Stadt genügen konnte.      

Da leiteten sie nun einen zweiten Bach, »Riveris« genannt, mit steinernen Bögen an verschiedenen »Bergeshängen« vorbei und über tiefe Täler und erfüllten alle ihre Strassen mit frisch fließendem Wasser, das, durch Regenwasser vermehrt, allen Unrat der Stadt in die Mosel führte.