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Der Kampf der Königinnen

Brunhilde und Fredegunde -

Brunhilde

Vom Verrat bis zum Mord schrecken sie vor keiner Niedertracht zurück.

Es war der grausamste Zickenkrieg des frommen Mittelalters. Die eine, Königin Brunhilde, war eine vornehme westgotische Prinzessin. Sie hatte das Pech, in den mörderischen Clan der Merowinger einzuheiraten. 

Die andere, Fredegunde, war eine hübsche rothaarige Magd mit Talent zur Massenmörderin. Sie hatte sich ins Bett des Königs von Westfranken hochgeschlafen und tat alles, um ihrer Schwägerin Brunhilde die Augen auszukratzen. 

In der Wahl der Waffen waren die Damen ebenbürtig: Erpressung, Verführung, Folter, Dolch, Gift. Der Kampf der Königinnen, der zwischen 575 und 613 tobte, kostete zehn fränkische Royals den Kopf und beschleunigte den Untergang der Merowinger.

Das Frankenreich war damals unter drei Brüdern aufgeteilt, Brunhildes hehrer Gatte Sigibert besaß den Ostteil. Dessen Bruder, König Chilperich, heiratete Brunhildes Schwester, wollte seine Dauergeliebte Fredegunde aber behalten. 

Als die junge Königin ihn zu verlassen drohte, erdrosselte er sie kurzerhand. »Die Tote nur wenige Tage beweinend«, wie Gregor von Tours schreibt, heiratete Chilperich nun seine Mätresse Fredegunde und besiegelte damit die Todfeindschaft der Schwägerinnen. 

Wie eine Hyäne trieb Brunhilde ihren Gatten Sigibert in den Bruderkrieg, den dieser auch gewann. Doch Fredegunde schickte zwei Killer aus, die ihrem Schwager Sigibert »in jede Seite ein tüchtiges Messer« stießen, »das auch noch in Gift getunkt war«, so Gregor von Tours.

Brunhilde wurde vom bösen Schwager gefangen genommen, schaffte es aber, ihren fünfjährigen Sohn in einen Sack gepackt aus dem Fenster zu reichen. 

Ein Gefolgsmann brachte den kleinen Thronfolger in Sicherheit. Später konnte auch sie fliehen, und fortan regierte die couragierte Königinmutter erst für ihren Sohn und nach dessen frühem Tod, Ursache unbekannt, für die Enkel.

Fredegunde

In der Zwischenzeit hatte sich ›First Lady Fredegunde‹ in Sachen Mord einen Namen gemacht. 

Gemeinsam mit König Chilperich ließ sie Dutzende von Widersachern foltern, verbrennen, vergiften und einem als Killer gescheiterten Priester Hände und Füße abhauen. Sie verübte Anschläge auf die eigenen Kinder. Ihre Stiefsöhne, von denen einer es gewagt hatte, seine Tante Brunhilde zu heiraten - ihre Erzfeindin -, brachte sie um.

Sogar ihren Gatten ließ sie erdolchen, weil Chilperich von einem ihrer vielen Liebhaber Wind bekommen hatte. 

Die Frau, die noch weniger Skrupel hatte als eine ›Lady Macbeth‹, kämpfte, von schwerer Krankheit gezeichnet, nur noch für ein Ziel: Brunhildes Tod. 

Ihre letzte tödliche Waffe hieß Clothar, ihr jüngster Sohn. 

Anfangs gelang es Brunhilde noch, ihre zwei Enkel gemeinsam gegen den fiesen Clothar in Stellung zu bringen. Doch dann beging die alleinerziehende Großmutter den größten Fehler ihrer Königinnenkarriere: Die Enkel zum Bruderkrieg aufzuhetzen, worauf »unter beiden Heeren ein solches Morden anbrach, dass die Körper der Toten keinen Platz fanden, wo sie hätten hinfallen können«. 

Nachdem ein Königsspross den anderen umgebracht hatte, versuchte Brunhilde, ihren erst zehnjährigen Urenkel auf den Thron zu hieven. 

Doch dazu reichte die Kraft der über 70-Jährigen nicht mehr. Clothar ließ Brunhilde drei Tage lang foltern, auf einem Kamel durchs Heerlager treiben und schließlich mit Haaren, Arm und Fuß »an den Schweif des wildesten Pferdes« binden und zu Tode schleifen. 

Der Mythos der wilden, bis aufs Blut hassenden Königinnen lebt im Nibelungenlied fort, Brunhild und Kriemhild heißen sie dort.

                    

Quelle: Stern,  Ausgabe 45/2006