Das Oppidum bei Wallendorf

Blick vom Römerturm

Der Ort »Wallendorf« liegt südwestlich von Bitburg am Zusammenfluss von der »Our« und der »Sauer«, die hier die Grenze zu Luxemburg bilden.

Am Ortsrand südöstlich von Wallendorf liegt ein 41 ha großes Hochplateau, der »Kasselt« oder »Castellberg«, auch »Cassel-Berg«. 

Dessen steil abfallende Hänge werden im Westen und Süden von der Sauer und im Norden und Osten vom Gaybach umflossen.

Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand hier eine keltische Siedlung. Um 130 v. Chr. dann erbauten die keltischen Treverer eine stadtähnliche Großsiedlung, ein Oppidum, das durch eine umlaufende mächtige Befestigungsmauer geschützt war.

Der Höhenrand wird von einem Randwall umgeben. Auf der Nordseite ist auf einem Teilstück eine vorgelagerte zweite Verteidigungslinie zu erahnen. Den Wällen waren zum Teil Gräben vorgelagert, die heute aber weitgehend zerstört sind.

Soweit nachweisbar, sind die Wälle in einer Variante der »Murus Gallicus-Technik« errichtet worden, bei der die Balkenverbindungen nur im Bereich der Außenfront durch lange Eisennägel fixiert worden sind. Im Nordosten der Anlage zeichnet sich ein Tor ab, das jedoch archäologisch bislang nicht untersucht worden ist.

Oppidum Wallendorf

Neuere Ausgrabungen und die Verteilung der Funde zeigen, dass das Plateau nur partiell bebaut war. Ausgrabungen im Zentrum des Plateaus haben einen etwa 5 m tiefen Brunnen nachgewiesen, aus dessen Brunnenhölzern ein dendrochronologisches Datum vorliegt (Fällungsdatum 130-125 v. Chr.).

Unweit des Brunnens befand sich eine überdachte Grube, die wohl im Rahmen ritueller oder religiöser Handlungen eine Rolle spielte. 

Während das Oppidum um die Mitte des 1. Jhdt. v. Chr. aufgegeben worden ist, wurde die Kultplatztradition fortgeführt.

Nach der Eroberung Galliens durch die Römer entstand um Christi Geburt an der höchsten Stelle des Berges einen einfachen Holztempel, der in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert worden ist.

Daran schloss sich eine kleine Siedlung von Händlern und Handwerkern und eventuell Pilgerquartieren an. Die Siedlung wurde im Zuge der Germaneneinfälle im 3. Jahrhundert teilweise, Ende des 4. Jahrhunderts dann ganz aufgegeben.

Bei der Grabung 1981 konnten Keramikscherben und eine Bronzefibel geborgen werden, die in die Spätlatènezeit datieren.

An Ort und Stelle noch sichtbare Spuren der Wälle und Gräben. Ausgrabungen wurden zwischen 1994 und 2000 von einem Team von der Universität Kiel unter der Leitung von Professor Haffner dokumentiert.

Unter den zahlreichen Oberflächenfunden befinden sich steinzeitliche Werkzeuge, latènezeitliche Gold- und Silbermünzen, römische Keramik, römische Münzen und Fibeln. Bronze- und Silberschrötlinge belegen die Münzprägung.

Aus dem »Kultbezirk« stammt ein nahezu vollständig erhaltenes (keltisches) Bronzesieb, das zusammen mit kalzinierten Schweineknochen, Scherben republikanischer Amphoren, einigen keltischen Münzen und Keramikscherben geborgen werden konnte.

Foto: Universität Kiel

Das Oppidum von Wallendorf liegt auf privaten landwirtschaftlichen Parzellen, und so ist es leicht zu erreichen. Es wird als ein historisches Denkmal eingestuft.

Vom sogenannten »Römerturm«, einem hölzernen Aussichtsturm auf dem Kasselt, hat man einen weiten Blick über die Täler der Sauer und der Our und ins benachbarte Luxemburg.

                    

Lage:  49°52’11.1"N 6°17’55.2"E