Sprache und Schrift der Kelten

»beschriftete« Steinsäulen, Foto: Kilkenny

Über die Kultur der Kelten ist so gut wie nichts schriftlich überliefert. Anders als die Griechen und Römern führten die Kelten keine Bibliotheken und schrieben ihre Geschichte auch nicht nieder.

Es gibt keine »keltischen« Chronisten. Auch wurden religiöse Aspekte so gut wie nie niedergeschrieben. Im Gegenteil, Caesar wies darauf hin, dass es den Druiden strengstens verboten war, ihr Lehren schriftlich aufzuzeichnen.

Gleichzeitig weißt Caesar aber auch daraufhin, dass sie (die Kelten) »...in fast allen übrigen Dingen... , die griechische Schrift verwenden...« (De Bellum Gallicum VI, 14,3)

Caesar weißt somit darauf hin, dass den Kelten durchaus Schrift bekannt war und dass sie diese wohl auch im öffentlichen Leben nutzten. 

Auch andere antike Autoren bezeugen den Schriftgebrauch. So schreibt Diodor, dass die Gallier bei Leichenverbrennung den Toten Briefe an ihren verstorbenen Verwandten mitgaben (Diodor, V, 28,6).

Wenn die Kelten die Schrift im öffentlichen Leben nutzten, so taten sie es vermutlich auf vergänglichem Material, das archäologisch nicht fassbar ist.

Schriftliche Hinterlassenschaften sind dennoch aus Inschriften und »Graffities« auf uns gekommen. Sie zeigen, dass die Kelten zwar keine eigene Schrift entwickelten, sie sich aber ab etwa dem 4. Jhdt. v.Chr. den lateinischen, griechischen und etruskischen Lettern bedienten.

Hauptsächlich wurde sie genutzt um Gegenstände mit den Namen des Besitzers zu versehen, wie auf Tonwaren, Waffen oder Helmen oder um Opfergaben an die Götter zu weihen. Aus verschiedenen Oppida sind sogar beinerne Schreibgriffel und hölzerne Schreibtäfelchen nach mediterranem Vorbild belegt.

Das Keltische bildete innerhalb des Indogermanischen eine eigenständige Gruppe, die vermutlich durch eine geographische Trennung von den übrigen gesprochenen Sprachen entstanden war.

Wann diese Trennung genau stattfand, ist unsicher, möglicherweise in der Bronzezeit, jedoch spätestens ab der Hallstattzeit im 8. Jahrhundert v. Chr.

Sehr wahrscheinlich wurde auch die La-Tène-Kultur von Kelten getragen. Jedenfalls machen die heutigen keltischen Sprachen und ihr Verbreitungsgebiet nur noch einen kleinen Rest der Völker aus, die diese Sprache von der iberischen Halbinsel über Gallien, den nördlichen Alpenbogen bis Kleinasien (Galater) im Altertum nachweisbar noch sprachen.

Die Verbreitung der keltischen Sprachen folgte im Großen und Ganzen der Wanderbewegung der keltischen Völker und ihrer Kultur und erreichte dadurch vom Kerngebiet aus auch die Britischen Inseln und Kleinasien.

Von der kontinentalen keltischen Kultur ist aus der Archäologie viel bekannt. Da die Kelten in der frühesten Zeit noch keine Schriftkultur besaßen, ist man jedoch für die Kenntnisse ihrer hypothetischen Ursprache vor allem auf überlieferte Orts- und Personennamen sowie auf Rekonstruktionen basierend auf antiken Inschriften und auf den lebenden Sprachen, angewiesen.

In späterer Zeit hinterließen keltische Sprachen sprechende Volksgruppen hingegen sehr wohl schriftliche Zeugnisse, vor allem als steinerne Inschriften und auf Münzen, sowie auf Bronzetafeln. Dies geschah aber stets unter dem Antrieb anderer Völker, d. h. der Iberer in Spanien, der Römer in Gallien usw. 

Manche Inschriften sind sogar bilingual, sodass sie eine Rekonstruktion der Sprachen ermöglichen. Auch der Kalender von Coligny fällt in diese Kategorie. Er ist jedoch aus dem 2. Jhdt. n.Chr. und beruht auf römischen Einfluss.

Im Gegensatz zu den eisenzeitlichen Inschriften ist das sogenannte »Ogham-Alphabeth« kein keltisches Schriftsystem. Es basiert auf der lateinischen Schrift und wurde im 5. Jhdt. n.Chr. entwickelt. Es war bis in das 9. Jhdt. in Gebrauch.

Ogam-Schriftzeichen, Foto: Al-qamar

Doch vor allem in Irland finden sich auf einigen Denkmälern Inschriften, die in der »Oghamschrift« (auch. Ogamschrift) verfasst wurden. Diese Schrift wurde nach dem Gott »Ogma« oder »Ogimos«, der als Erfinder der Schrift gilt, benannt.

Das »Ogham-Alphabet« bestand wahrscheinlich aus 20 Zeichen: 5 Vokalen und 15 Konsonanten.

Auf dem Festland verschwanden in den ersten Jahrhunderten unserer Zeit sämtliche keltischen Sprachen vor allem unter dem dominierenden Einfluss des Latein des römischen Reiches sowie durch die Ausbreitung der germanischen Sprachen.                   

Aus frühmittelalterlichen Quellen geht hervor, dass möglicherweise noch im fünften Jahrhundert in der Gegend um Trier von einem Teil der Bevölkerung ein keltischer Dialekt gesprochen wurde, in der Normandie vielleicht sogar noch bis ins neunte Jahrhundert. 


Foto: Enzyklopädische Wörterbuch Brockhaus-Efron (1890-1907)