Kloster Fraulautern

Die Abtei Fraulautern (lat. Abbatia Lutere) war ein reguliertes Chorfrauenstift der Augustinerinnen für Angehörige des Adels, das vermutlich im 12. Jahr-hundert gegründet wurde und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestand.

Das zur Abtei gehörende Klostergebäude stand im heutigen Saarlouiser Stadtteil Fraulautern und ist zum Teil erhalten. Es wird unter dem Namen »Im Alten Kloster« von der Fraulauterner Grundschule genutzt. Nach Ende der Französischen Revolution diente das Gebäude bis zu Eingemeindung 1936 als Rathaus des Orts. 

     

Gründungssage

Einer Sage zufolge sei Graf Adalbert mit seinem Sohn auf die Jagd gegangen. Dieser verschwand, woraufhin Adalbert das Gelübde ablegte, an der Stelle, an der sein Sohn gefunden würde – ob tot oder lebend – ein Kloster errichten zu lassen.

Einigen Berichten zufolge wurde der tote Sohn weiter vom Standort des Klosters entfernt gefunden (vermutlich an der Einmündung des Fraulauterner Bachs in die Saar), jedoch musste das Kloster aufgrund des zu weichen Untergrunds näher an Land errichtet werden. 

      

Geschichte

Grundstein, siehe unterster Abschnitt dieser Seite

Am 20. Mai 1120 gründete der aus Ensdorf stammende Graf Adalbert das Kloster. Nachdem dieser seinen Besitz dem Trierer Erzbischof Meginher übergab, ließ er das Kloster in den Jahren von 1127 bis 1130 durch Mönche aus Mettlach erbauen.

Nach Fertigstellung des Baues sollte das Kloster weder zins-, noch abgabepflichtig sein. Da die Mettlacher Abtei dieser Bitte nicht entsprach, musste der Stifter Graf Adalbert der Abtei 15 Pfund Silber pro Mönch als Rückkaufspreis zahlen. 

Infolgedessen wurde die Besitzerurkunde der Mettlacher Mönche am 23. Oktober 1142 in Anwesenheit von Augenzeugen vernichtet.

Erzbischof Albero setzte von 1142 bis 1154 Augustiner-Chorherren aus Springiersbach (bei Wittlich/Eifel) im Kloster ein. 1154 setzte der aus Trier stammende Erzbischof Hillinus das Kloster als adeliges Kapitel ein und listete alle Besitzungen des Klosters auf, die Papst Hadrian IV. am 23. Januar 1155 bestätigte.

Laut der Schenkungsurkunden und weiterer Papiere kamen die ersten Chorfrauen zwischen 1143 und 1154 ins Kloster, wobei die bereits dort lebenden Chorherren ebenfalls, jedoch getrennt von besagten Frauen, welche etwa bis 1200 im Kloster blieben. Dank des Klosters begann der damals noch sehr kleine Ort stetig zu wachsen, so siedelten sich zum Beispiel zahlreiche Handwerker und andere Betriebe an.

Neben den Häusern, die den Klosterinnenhof umschließen, existiert noch das Torhaus, das als Wohnung der von 1759 bis 1763 ins Kloster verbannten Anna Viktoria Marie Christine von Hessen-Rheinfels-Rotenburg (1728–1792) diente, der dritten Ehefrau von Charles de Rohan, Prince de Soubise.

Während der Französischen Revolution (1789–1799), am 23. Februar 1791 floh die Äbtissin Sophia von Neuenstein samt den Stiftsdamen nach Schwarzenholz, um der Verfolgung der französischen Revolutionäre zu entgehen.          

Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Kloster:

  • ein Haupt- und Schlafhaus
  • einen Innenhof
  • eine Kapelle im Haus selbst
  • ein Gebäude um die Abgaben (Steuern) der Bevölkerung anzunehmen
  • eine 1739 erbaute Klosterkirche, welche ab 1814 Pfarrkirche von Fraulautern war
  • einen Kreuzgang mit Kreuzweg um den Innenhof
  • einen sich auf dem Innenhof befindenden Brunnen
  • einen noch heute erhaltenen Torbogen, welcher als Wohnung einer ins Kloster verbannten Prinzessin Soubise diente  

Nach Ende der Französischen Revolution wurde das Kloster zur Elementarschule umgewidmet.

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde das ehemalige Kloster zum großen Teil zerstört. Nach Ende des Krieges wurde es erneut aufgebaut.

       

Klosterkirche

Die Klosterkirche in Fraulautern wurde - wie auch das Kloster selbst - dem Patrozinium der Hl. Dreifaltigkeit geweiht. Sie wurde, nachdem die Apollonia-Kapelle für die anwachsende Bevölkerung zu klein geworden war, im Jahr 1739 erbaut und ab dem Jahr 1814 als Pfarrkirche von Fraulautern genutzt.

Im Jahr 1895 wurde die barocke Klosterkirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Gleichzeitig baute man nach den Plänen des aus Roden stammenden Architekten Wilhelm Hector eine neogotische Pfarrkirche in der Ortsmitte. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

In den Jahren 1949–1950 wurde die heutige Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit nach den Plänen der Saarwellinger Architektengemeinschaft Heinrich Latz und Toni Laub im Stil des Abstraktions-Historismus errichtet.

Im heutigen Gotteshaus flankieren zwei barocke Engelsfiguren, welche aus der früheren Klosterkirche stammen, das Tabernakel in der linken Chorseitenkapelle.

An der Stelle, an der ehemals die Klosterkirche stand, befindet sich heute der Schulhof der Fraulauterner Grundschule. 

         

Grundschule »Im Alten Kloster«

Die nach 1936 im Kloster als Elementarschule gegründete heutige Grundschule umfasst jeweils zwei Klassen der Klassenstufen 1 bis 4. An der Stelle der Klosterkirche befindet sich heute eine Sporthalle, sowie ein Pausenhof mit Klettergerüst und kleinem Sportbereich mit Fußballplatz, Laufbahn und Bereich zum Weitspringen.  

Hinter dem Schulgebäude befindet sich ein Schulgarten auf dem ehemaligen Platz des Klosterfriedhofs. Grabplatten von Nonnen sind im Garten nicht mehr vorhanden, befinden sich jedoch eingemauert an der Wand des Hauses.   

Ebenso existiert ein eingemauerter alter Grundstein. Beim Sanieren des Steins wurde versehentlich ein falsches Gründungsdatum eingraviert. Statt »1120« wurde das Jahr »1620« eingemeißelt. (siehe Bild oben links)