Kloster Marienfloss 

Das ehemalige »Zisterzienserinnenkloster Marienfloss« wurde 1238 durch den lothringischen Herzog Mathieu II. gegründet. 

Es lag am Stadtrand des heutigen Sierck-les-Bains im französisch-deutsch-luxemburgischen Dreiländereck, im Tal des Baches von Montenach. Heute steht dort nur noch eine Wallfahrtskapelle.

Der Name gibt Rätsel auf. Meint er »Maria am Fluss«, oder geht er auf das lateinische Wort »flos« für Blume zurück? 

In dem wasserreichen Tal - die Stelle hieß Bruch - ist im 10. Jahrhundert ein Dorf bezeugt mit einer Kirche »St.Lorenz auf den Feldern«.

Dorf und Kirche fielen 980 einem Brand zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut. An dieser Stelle gründeten 1238 Herzog Matthias II. von Lothringen und seine Gemahlin Katharina von Limburg eine Zisterzienserinnenabtei. Sie bestand bis 1414. 

Die Töchter des hl. Bernhard von Clairvaux verehrten die Muttergottes in besonderer Weise. In dieser Periode entstand auch der Name Marienfloss. 

Margarete von Lothringen, die Gemahlin von Herzog Karl II. dem Kühnen von Lothringen, hielt sich zu Anfang des 15. Jahrhunderts öfter in Sierck auf. Sie praktizierte dort eine sehr religiöse, asketische Lebensführung mit Bußübungen.

Bestärkt wurde sie darin vom Kartäuser Adolf von Essen, den sie nach 1403 bei einem ihrer zahlreichen Besuche in der lothringischen Gemeinde Sierck kennengelernt hatte und der ihr Beichtvater wurde.  

Unterdessen ließ Margarete das in der Nähe von Sierck gelegene Zisterzienserkloster Marienfloss 1415 in ein Kartäuserkloster umwandeln. Diesem stand ihr geistlicher Führer Adolf von Essen als Abt vor. Er übersetzte für die Herzogin die Rosenkranzgebete seines Schülers Dominikus von Preußen und schrieb für sie mehrere erbauliche Werke, u. a. »De commendatione Rosarii«. 

Ihr Gemahl, der Herzog von Lothringen, teilte indessen keineswegs ihre frommen Neigungen seiner Ehefrau und hatte diverse außereheliche Affären.  

Ab 1419 lebte die lothringische Herzogin fast ausschließlich in Sierck und stiftete dort ein Hospital. Sie betreute persönlich die Kranken, verband ihre Wunden und spendete ihnen geistlichen Beistand. Armen Leuten wusch sie die Füße. 

Bis 1431 lebten Kartäusermönche im Kloster im Bruch, in Marienfloss. Dann verließen das Tal jedoch, um bei Rettel, flussaufwärts am Ufer der Mosel, eine neue Abtei zu gründen. 

Ein weiterer Versuch, einen Mönchsorden für das Kloster Marienfloss zu gewinnen, scheiterte nach fünf Jahren. Arnold VI. von Sierck fand eine Lösung, der sowohl der Herzog von Lothringen als auch der Kurfürst und Erzbischof von Trier zustimmten, so ungewöhnlich sie für die Zeit war.  

Er überließ das Haus 1436 einer Gruppe von Weltpriestern des Dekanats Perl, die nun in Marienfloss gemeinsam lebten, aber auch Pfarrer ihrer jeweiligen Gemeinden blieben und diese versorgten. Der Perler Pfarrer war zeitweise der Vorsteher der Gemeinschaft.

Diese »Regelung« überdauerte zwei Jahrhunderte, bis im Dreißigjährigen Krieg das Kloster zerstört, die Kirche beschädigt wurde.  

Danach ging die Anlage in den Besitz der Kartäuser von Rettel über, damit wenigstens an den kirchlichen Festen Gottesdienste stattfanden. In der Französischen Revolution wurde die Kirche zerstört. Heute befindet sich auf dem Gelände eine moderne Wallfahrtskapelle. Vom alten Kloster sind noch einige bauliche Reste erhalten. 

Die Ruinen vor den Mauern der Stadt Sierck-les-Bains sind also traurige Zeugen einer längst vergangenen Zeit?  

Nicht nur! Ab 1963 und bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden auf Veranlassung des damaligen Siercker Pfarrers Joseph Lecomte Renovierungsarbeiten vorgenommen. 

Die linke Seitenkapelle der ehemaligen Klosterkirche ist wieder hergerichtet und heute das eigentliche Ziel der Pilger. Den Grundriss der Kirche deuten Säulenstümpfe und die Umfriedung des Platzes an, die an die Perlenschnur des Rosenkranzes erinnert. 

1982 wurde die neu gestaltete Anlage eingeweiht. Bei der Feier war neben dem Bischof von Metz ein Vertreter des Bistums Essen anwesend.

Dieser Umstand, wie auch die Erwähnung von Marienfloss durch den Papst Johannes Paul II. anlässlich des Papstbesuches in Frankreich im Oktober 1988 in der Metzer Kathedrale, bedürfen einer kleinen Anmerkung: 

Sie ist schon angedeutet mit dem Hinweis auf die rosenkranzähnliche Einfriedung des Ortes des ehemaligen Klosters. Diese soll an das Rosenkranzgebet, an Adolf von Essen und Dominikus von Preußen erinnern.

Die beiden Kartäuser gelten als die Erfinder des Rosenkranzes, eines meditativen Gebetes, in dem die Ereignisse aus dem Leben Jesu mit dem »Gegrüßet seist du, Maria« verbunden werden.

Gewiss lehrten sie die vom Leben enttäuschte Herzogin diese Art zu beten. Sie wird darin Trost gefunden haben so wie viele andere Beter seit jener fernen Zeit.                        

So hat neben dem »Vater unser«, welches Karl der Große während seiner Herrschaft in Diedenhofen (heute: Thionville) »einführte« auch das »Rosenkranz-Gebet« seinen Ursprung im Dreiländereck an der Obermosel.