Kloster St. Gangolf, Besseringen

In den Besseringer Saarwiesen am ›Montclairberg‹, kurz bevor die Saar ihre bekannte »Saarschleife« macht, liegt am Nordrand des sog. »Merziger Beckens« die alte Kloster- und Pfarreikirche »St. Gangolf«.    

     

Geschichte

Erstmalige Erwähnung findet die Kirche in einer Urkunde aus dem Jahre 1230, als sie dem Kloster Mettlach eingegliedert wurde. Das Kloster entwickelt sich zu einem Seelsorgezentrum für die Region. Von hier aus missionieren Kirchenmänner die Umgebung.

Wahrscheinlich handelt es sich bei der Pfarrei und Kirche St. Gangolf um eine Gründung der Mettlacher Benediktiner um das Jahr 1000, denn die Benediktiner gehören zu den Verbreitern des Gangolfkultes.

Der ›heilige Gangolf‹ stammte aus einer burgundischen Hochadelsfamilie. Er war ein Mann Gottes und genoss bei seinen Standesgenossen und im Volk hohes Ansehen. 

Weil er seine untreue Ehefrau entgegen damaliger Gepflogenheiten nicht verurteilte, setzte er für seine Generation ein Zeichen konsequent christlichen Handelns. Er gilt seither als der Märtyrer der christlichen Selbstbeherrschung.

Zweiter Pfarrpatron ist der heilige Andreas, welchen die Dreisbacher Fischer zu ihrem Patron bestimmt hatten und dem ein Altar in der Kirche geweiht ist. 

Der heilige St. Gangolf spielte als Schutzpatron der Ehe und als Brunnenheiliger eine große Rolle.

So wird dem Wasser des St. Gangolf-Brunnens in der Nähe der Kirche Heilkraft bei Augen-, Ohr-, Haut- und Darmerkrankungen zugeschrieben. 

Bis heute ist die Kirche St. Gangolf eine beliebte Heiratskirche, was sicher neben der romantischen Lage etwas mit dem heiligen St. Gangolf als Schutzpatron der Ehe zu tun hat.

Über die Pfarrei St. Gangolf ist während der Zugehörigkeit zur Abtei Mettlach bis ins 16. Jahrhundert nicht viel berichtet. Um 1560 gehörten zur Pfarrei die Orte Besseringen, Ponten, Schwemlingen, Dreisbach, Saarhölzbach und das Gebiet Montclair.

Die Filialorte Saarhölzbach und Besseringen hatten zu dieser Zeit bereits eigene Kapellen (Saarhölzbach seit 1434; Besseringen seit 1497). 

Von 1802 - als die Abtei aufgehoben wurde - bis 1851 gehörte auch Mettlach zur Pfarrei St. Gangolf; Keuchingen ab 1815 bis 1851.

Aufgrund des Teilungsvertrages von 1778 gehörten die Orte links der Saar (Schwemlingen u. Dreisbach) zu Frankreich, während der Rest der Pfarrei zu Kurtrier gehörte. 

Die Zugehörigkeit der einzelnen Orte zur Pfarrei St. Gangolf sollte in den folgenden Jahrzehnten noch mehrmals wechseln, bis Saarhölzbach (1803) und Mettlach-Keuchingen (1851) eigenständige Pfarreien wurden.

1775 wurde die Kirche an die Stelle der alten Kirche am Berghang gesetzt, weil eine vom damaligen Abt zu Mettlach gewünschte Verlagerung des Kirchenbaues nach Besseringen-Ponten scheiterte. Am 01. September 1907 hielt der damalige Pastor Krayer den letzten Pfarrgottesdienst in der Kirche zu St. Gangolf. Danach zog die Pfarrei um nach Besseringen.

Zu der Pfarrei St. Gangolf gehörte auch die »Pagodenburg« - das Schul- und Küsterhaus. 

Die »Pagodenburg« wurde 1745 (Jahreszahl im Türsturz eingemeißelt) vom Abteiarchitekten Christian Kretzschmar auf dem Fundament eines alten, baufälligen Schulgebäudes erstellt. 

Zur damaligen Zeit gehörten auch die umliegenden Dörfer, u. a. Besseringen und Schwemlingen zur Pfarrei St. Gangolf. Die Gemeinden finanzierten den Bau der »Pagodenburg«, Auftraggeber waren allerdings die Mettlacher Mönche.

Die Bezeichnung »Pagodenburg« entstand vermutlich in Anlehnung an süddeutsche Pagodenburgen mit ihren außergewöhnlichen Grundrissen.

Auch die »Pagodenburg« in St. Gangolf weist einen solchen Grundriss auf: An einen achteckigen Mittelraum schließen sich in den Haupthimmelsrichtungen vier kleinere quadratische Räume in Pavillons an. Alle Räume haben ein eigenes Mansarden-Zeltdach.

Der Grundriß erstaunt um so mehr, wenn man die Nutzung des Baues bedenkt. Hier handelt es sich nicht um ein Lusthaus, sondern um ein Schulgebäude.

Weiter sollte es auch dem diensttuenden Mönch als Aufenthaltsort dienen, weil ein eigenes Pfarrhaus fehlte. Die Mönche wohnten als Ordensgeistliche im Mettlacher Kloster. Abgesehen von seinem Grundriss besitzt der Bau keine weiteren Besonderheiten und ist eher schlicht gestaltet. 

                         

Das Kloster Gangolf in der Neuzeit

Nachdem der Umzug der Pfarrei nach Besseringen feststand, wurde das Gelände teilweise an die Familie ›von Boch‹ verkauft, welche ganz in der Nähe ihr Wohnhaus hatten. 

Der uralte Friedhof und das Kirchengrundstück (Kirche, Kirchenumgang und Kirchenzugang) verblieben aber lt. Unterlagen des Katasteramtes Merzig bei der Pfarrgemeinde Besseringen-Ponten und Dreisbach.

Die Familie von Boch stellte das von ihr erworbene Gelände für den Neubau des Kapuzinerklosters zur Verfügung. 

Bauherr des Klosters war die Rheinisch-Westfälische Kapuzinerprovinz. Die Planung oblag Architekt Merchel aus Mainz, Substitut des Architekten Becker aus Mainz. Die Bauausführung hatte Baumeister Johann Melchior aus Fremersdorf. 

Baubeginn war im April 1900; ein Jahr später war das Haus bezugsfertig. Am Heiligen Abend 1974 zelebrierte Pater Eberhard als letzten Gottesdienst die Mitternachtsmette.

Zum 31. Dezember 1974 wurden die letzten drei verbliebenen Patres Eberhard, Wigbert und Kuthbert versetzt und das Kloster geschlossen.

Im Herbst 1985 wurde das Klostergebäude (teilweise) abgerissen - nur ein kleiner Rest ist bis heute erhalten geblieben.

           

Quellen: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmaeler, besseringen-online.de, saarlandbilder.net