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Die Grabhügel bei Oberlöstern

Die beiden Grabhügel von Oberlöstern sind Grabstätten aus der Römerzeit. Sie befinden sich im Waderner Ortsteil Oberlöstern im nördlichen Saarland.

   

Befund

In der Umgebung von Oberlöstern befinden sich in den Waldungen »Standermich« und »Rehkopf« frühkeltische Grabhügelgruppen aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr.

Als in den 1960er Jahren im Gelände »Dachsheck«, das sich südlich der Verbindungsstraße zwischen Oberlöstern und Gehweiler befindet, zwei weitere verschliffene Hügel entdeckt wurden, rechnete man diesen Fund zunächst ebenfalls der Keltenzeit zu.

1991 kamen Sandsteintrümmer mit Bearbeitungsspuren zum Vorschein, die diese Theorie hinfällig werden ließen, da in keltischen Grabhügeln keine bearbeiteten Steine zu erwarten waren. 

Das Staatliche Konservatoramt ließ in den Jahren 1991 bis 1995 weitere Ausgrabungen durchführen.

Man stellte fest, dass die wohl schon in antiker Zeit zerstörten Grabhügel im 2. Jhdt. n. Chr. auf einem bereits bestehenden römischen Friedhof angelegt worden waren. 

Unter beiden Hügeln fanden sich zahlreiche Aschengruben, Urnengräber und zwei Steinkistengräber mit Grabbeigaben.

Es zeigte sich, dass die beiden Tumuli von Sandsteinmauern eingefasst waren, deren Quader Maße bis 1,55 × 0,60 × 0,50 Meter aufwiesen, auf denen halbwalzenförmige Abdecksteine lagen. Diese Einfassungen hatten Seitenlängen von 16 und 18,50 Metern.

Innerhalb der Tumuli waren quadratische Grabkammern mit drei Meter langen Seitenwänden angelegt worden, welche die Ausgräber allerdings nur noch in beraubtem Zustand vorfanden.

Die Grabkammern waren ursprünglich von der Talseite her zugänglich. Jeder der beiden Tumuli war mit einem steinernen Pinienzapfen bekrönt.

Zwischen den beiden Grabhügeln muss einst ein Monument gestanden haben. Es handelte sich vermutlich um drei Götterfiguren von der Größe ausgewachsener Menschen, welche auf einer Art Altar standen und durch ein Schuppendach geschützt wurden. Die Ecken des Dachs trugen Köpfe mit phrygischen Mützen.

Innerhalb eines dem Monument vorgelagerten Grabgartens fand sich eine große rechteckige Aschengrube. Zwischen verbrannten Tongefäßen entdeckte man große Holzkohlestücke, die laut dendrochronologischen Untersuchungen auf eine Anlegung im Jahre 123 nach Christus schließen.

Die wohl schon in antiker Zeit zerstörten Monumentalgrabhügel waren im 2. Jhdt. n. Chr. auf einem bestehenden römischen Friedhof mit Urnengräbern und Aschenbrugen angelegt.

Gegenüber der in der Römerzeit üblichen Flachgrabsitte weisen die Grabhügel offensichtlich auf eine Rückbesinnung an die keltenzeitliche Grabhügelsitte des 5. und 4. Jhdt. v. Chr. hin.

Schon aufgrund des großen Aufwandes zur Bestattung war ihre Anlage nur bedeutenden Personen dieser Zeit vorbehalten. Über die Namen, Identität oder die Herkunft dieser Toten ist aber nicht bekannt.

Zu den beiden Grabhügeln gehörte eine Siedlung etwa 400 Meter weiter nordöstlich. Diese lag in der heutigen Flur »Honigsack«.

                   

Rekonstruktion und Präsentation

Die beiden Tumuli, nicht aber das Monument dazwischen, wurden im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungs-maßnahme in den Jahren 2000 und 2001 rekonstruiert. 

Hinweisschilder und eine Informationstafel weisen die Besucher auf die Bedeutung der Grabstätte hin, die frei zugänglich in hügeligem Gelände liegt.  

Nach Abschluss der Grabungen wurden die Erdschüttungen der Hügel mit ihren Steinfassungen in der Originalform wieder hergestellt und seit 2001 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.