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Blieskastel und sein Gnadenbild

Die älteste Pietà der Welt

Der Heimatforscher Herrmann Joseph Becker schrieb bereits 1931: »Diese Pietà ist jedenfalls eine der ältesten, die noch in öffentlicher Verehrung stehen und kann unbedenklich als das historisch wertvollste Stück des kirchlichen Besitzstandes von Blieskastel bezeichnet werden«.

Der ehemalige Bischof Dr. Michael von Faulhaber bezeichnete das Muttergottesbild als »eine Pretiose der Diözese«.

Nach historisch-kritischer Forschung unserer Tage dürfte das Gnadenbild die älteste Pietà überhaupt sein, die bis heute existiert, da sich bei ihr sowohl starke Stilelemente der ausgehenden Romanik als auch der beginnenden Gotik aufzeigen lassen. Alle Vergleichsmodelle sind jünger und rein gotisch.

Das Vesperbild, auch Pietà genannt, stellt Maria als Mutter Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus dar.

Der Legende nach kam vor etwa 700 Jahren ein fremder Rittersmann in die Gegend unweit von Bliesmengen-Bolchen. Er hatte der Welt entsagt und begehrte nichts mehr, als im einsamen Wald ein stilles, frommes Einsiedlerleben zu führen.

Brudermann nannten ihn die Leute, und Brudermannsplatz heißt heute noch der Platz, wo er seine Klause erbaute.

Hl. Kreuzkapelle

In dieser Einsamkeit schnitzte der kunstfertige Mann einst aus Eichenholz ein Bild der Schmerzensmutter, wie sie den toten Sohn auf dem Schoße hält. In der Höhlung eines alten Eichbaumes neben der Klause stellte er das Bild auf, betete vor ihm morgens und abends und umwand es mit einem Kranz von Waldblumen.

Aber eines Tages überfielen räuberische Gesellen des Brudermanns Klause und misshandelten ihn sehr, weil sie nicht die geringsten Schätze bei ihm fanden.

In seinem Übermut legte einer der Räuber sogar die Armbrust auf das Bildnis in der Eiche an.

Fünf Pfeile schoss er hinein, und fünf eiserne Pfeilspitzen blieben im Leib des Herrn und der Gottesmutter stecken.

An den Stellen, wo die Pfeile in dem Holz stecken blieben, brach blutroter Schweiß hervor! Entsetzt und beschämt flohen die wilden Gesellen davon.

Die Kunde davon verbreitete sich bald in der ganzen Gegend. Es gab einen großen Zulauf des Volkes zu dem Bildnis des Einsiedlers, das seitdem »Unsere liebe Frau mit den Pfeilen« genannt wird.

So ließ sich auch ein blinder Mann hinführen; er betete inständig vor dem Bilde und bestrich seine längst erloschenen Augen mit dem Blutschweiß der Wunden, und von der Stunde an sah er wieder.

Von diesem Wunder hörte die junge Gräfin Elisabeth in Blieskastel, die an einer überaus schmerzhaften Augenkrankheit litt. Mit ihrem ganzen Hofgesinde ritt sie hinüber zur Brudermannsklause und bestrich dort die kranken Augen mit dem roten Blutschweiß, der an den Pfeilspitzen noch immer heraus quoll. Und augenblicklich wurde sie von ihrem Leiden befreit.

Aus Dankbarkeit baute sie in dem quellreichen, warmen Wiesental nicht weit von der Klause eine Kirche für das Bild des Brudermannes und das Kloster Gräfinthal, welches vom Orden der Wilhelmiten geführt wurde. Dort hin ließ sie die Pietá bringen und sie verehren.

Nach der Auflösung des Klosters Gräfinthal gelangte die Statue letztendlich nach Blieskastel.

Marianne von der Leyen

In Blieskastel stiftete die dort regierende Gräfin, Marianne von der Leyen (1745-1804), der Statue eine kleine vergoldete Silberkrone mit der Umschrift: »Offert à la Ste. Vierge par la Cte de Leyen et de Hohengeroldseck, née Baronesse de Dalberg, l’année 1787«.

1794 überboten die »Jungfern von Blieskastel« die »Jungfern von Bliesmengen«, welche die Statue zurückgefordert hatten, bei der durch französische Revolutionstruppen angesetzten Versteigerung, wo- rauf dann das Vesperbild bis heute in Blieskastel verblieb und 1913 auf dem Altar der Hl. Kreuzkapelle auf dem Han aufgestellt wurde.

Ab 1924 betreuten bayerische Kapuziner des bei der Kapelle erbauten Klosters die wiederbelebte Wallfahrt zur »wundertätigen Muttergottes.«

Am 10. Juli 2005 übernahmen diese Aufgabe Franziskaner-Minoriten der Provinz Krakau. Blies-kastel zählt zu den bedeutendsten Marienwall-fahrtsorten des Bistums Speyer und zieht auch viele Pilger aus dem nahen Lohringen und der Pfalz an.

Seit 2006 ist Blieskastel auch Etappe auf dem ›Jakobsweg Pfalz-Saar‹, der auf der Nordroute vom Kloster Hornbach über Blieskastel, St. Arnual, Spichern, Forbach nach Herapel in Lothringen führt.


siehe auch: Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen